Entspannung in Zeiten der Anspannung Sr. Karin Zurbriggen Der Wechsel von Anspannung und Entspannung gehört für mich zum Leben wie das Ein- und Ausatmen. Ohne Anspannung sind wir nicht fähig, im Beruf oder auch im Sport Höchstleistungen abzurufen. Aber auch eine grosse Freude, eine hoffnungsvolle Erwartung und positive Erlebnisse bewirken in uns eine Anspannung, welche uns antreiben, ja gar beflügeln können. Auch wäre es uns nicht möglich, auf Gefahren angemessen zu reagieren, würde uns diese Fähigkeit fehlen. Wir benötigen aber ebenso regelmässig Zeiten der Entspannung für die Regeneration und damit zum Aufbau von Kraftreserven. Lebenselixier: Lebensfreude! Als Pflegefachperson HF im Alters- und Pflegeheim in Hochdorf, erfahre ich täglich die Anforderungen einer Pflegekraft. Sie reicht von der komplexen medizinischen Versorgung bis hin zur emotionalen Unterstützung von Bewohnenden und deren Angehörigen. Aber auch Zeitdruck, Schichtarbeit und immer wieder Mangel an personellen Ressourcen gehören dazu. Neben den äusseren Faktoren können aber innere Faktoren, wie persönliche Einstellungen und Erwartungen Stress verursachen. Im Verlaufe meiner beruflichen Tätigkeit als Pflegefachfrau haben auch die Erwartungen an die Qualität der Pflege und die Einführung und schnelle Veränderung neuer Technologien dazu geführt, dass ich mich als Pflegefachfrau ständig anpassen und weiterbilden muss. Ob ich als Pflegefachperson im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen oder allen anderen Erwerbstätigen in den unterschiedlichsten Aufgaben und Branchen mehr Stressbelastungen ausgesetzt bin, kann ich nicht beantworten. Aber nach einer lebenslangen Tätigkeit im Pflegeberuf war und ist für mich die Pflege trotz allem ein erfüllendes Berufsfeld. Die Nähe zu Menschen, die Dankbarkeit der Bewohnenden und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, haben immer überwiegt. Trotzdem wünsche ich mir während eines Arbeitstages immer wieder einmal mehr Zeitreserven für Unvorhergesehenes und Notfälle. Alltags-Auszeit für Körper und Seele Gerade in diesen Phasen der Anspannung in meinem Alltag ist es für mich wichtig geworden, auch Zeit für Entspannung zu nehmen. Die Verbindung zur Natur hilft mir immer neu mich zu erden und ruhiger zu werden. Auch ein abendliches Innehalten ist sehr wertvoll. Da mache ich mir bewusst, für welche Dinge ich heute dankbar sein kann. Dies hilft mir, den Fokus weg von den Sorgen hin zu einem Leben der Fülle zu erspüren. Und zu guter Letzt versuche ich immer neu, im Hier und Jetzt zu leben – auch in der Hektik meines Berufsalltags. Diese Weisheit wird in einer wunderschönen Geschichte des Zen-Buddhismus veranschaulicht: Ein Schüler fragte einmal seinen Meister, warum dieser immer so ruhig und gelassen sein könne. Der Meister antwortete: «Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.» Der Schüler fiel dem Meister ins Wort und sagte: «Aber das tue ich auch! Was machst Du darüber hinaus?» Der Meister blieb ganz ruhig und wiederholte wie zuvor: «Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich…» Wieder sagte der Schüler: «Aber das tue ich doch auch!» «Nein», sagte da der Meister. «Wenn Du sitzt, dann stehst Du schon. Wenn Du stehst, dann gehst Du schon. Wenn Du gehst, dann bist Du schon am Ziel.» 7
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