3 einige abgefallene schön-braune Blätter des Kirschlorbeer kommen mir in den Sinn; dazu die Schreie des Mäusebussard und das komische Wiehern der Schwarzmilane: Alles Reste – eindrückliche – des zurückliegenden Wegstücks. Und – ich erinnere mich – an dieser Stelle ist mir das Gedicht von Hilde Domin eingefallen: Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten Diese Worte haben mich damals geweckt, erfüllt und durch und durch erwärmt. In dieser Wärme wollte ich liegen bleiben, nicht weitergehen; musste mir aber sagen: Morgen werde ich dem gezackten Löwenzahn im Gegenlicht die Hand hinhalten. Ich werde nicht müde werden. Ob Hilde Domin recht hat: Wird der Vogel nahe kommen? Es ist der fünfte Tag unserer Wanderung. Die Eindrücke kommen; kommen weniger zaghaft, immer mehr fällt mir zu auf dem Weg. Ich höre auf zu beobachten, verlasse jede Schulpflicht, löse mich von der Rechenschaft; lasse alles geschehen, was möglich ist, ob viel oder wenig; auf Intensität kommt es an. «Wenn du’s nicht fühlst, wirst du es nicht erjagen», so oder ähnlich soll es Goethe gesagt haben. Am letzten Abend ist mir dann ein Gedicht von Klaus Merz zugeschoben worden. Vielleicht dass uns etwas aufginge. Einmal. Per Zufall. Für immer. Dass uns gezackte Löwenzahnblätter im Gegenlicht als Wunder erscheinen, geschieht nicht jeden Tag. Aber Vielleicht? Und – wenn ja – einmal. Was wäre ein Wunder, wenn es nicht einmalig wäre? Und was wäre ein Wunder, wenn es uns nicht zufiele? und dann: für immer? Ja, für immer. Am letzten Tag, auf unserm Weg, bettle ich um Zufälle.
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