baldeggerjournal

5 Baldegger Mission «Hört endlich auf!» Zeitungen in aller Welt berichteten von deinem mutigen Einsatz bei einer Hexenverbrennung in Papua Neuguina. Glauben die Papuas wirklich noch an Hexen? Ja, das ist so. Die Papuas denken, dass Leute den «bösen Geist», den «Sanguma», haben und diesen zu andern schicken können. Wenn ein Unglück passiert, muss jemand daran schuld sein. Die Sippe «markiert» eine schuldige Person. Und dann geht es los, einfach viel brutaler als früher. Warum brutaler? Bei den Jungen oft, weil sie unter Drogen stehen. Sie haben stets ihr Messer dabei und schlagen einfach drein, meist bevor sie etwas denken. Die älteren Männer finden ihre Rolle in der «neuen Welt» nicht. Ihre Arbeit war, die Gärten mit der Steinaxt zu umzäunen und für die Jungen eine Braut zu suchen. Heute hat jeder eine gute Axt, die Arbeit ist schnell gemacht, und die Jungen suchen sich ihre Frauen selber. Was sollen sie nun tun? Die Frauen jedoch haben ihre Rolle behalten, sie gebären die Kinder und bepflanzen die Gärten. Das gibt Spannungen. Hast du keine Angst? Nein, Angst habe ich eigentlich nie. Aber wir müssen vorsichtiger sein als früher. Wir Schwestern haben noch eine gewisse Autorität – im Gegensatz zur Polizei. Vor mir haben die Männer Respekt, weil ich die Frauen hinter mir habe. Die haben bei mir geboren, ihr Kind war krank oder es war sonst irgendetwas, wo ich ihnen zugehört habe. Gibt es tatsächlich Hexenverbrennungen? Ja. Im Fall von Angela machte mich Sr. Lukas aufmerksam, dass «draussen etwas gehe». Ich erfuhr, dass Angela «markiert» worden und jetzt zu ihrem Schutz im Gefängnis sei. Die Leute hatten ihr mit einem Beil bereits eine grosse Wunde in den Hintern geschlagen. Die Polizisten liessen mich nicht zu ihr. Sie hätten keinen Schlüssel, so die Ausrede. Am andern Morgen hörte ich Kinder rufen «Kommt, wir gehen schauen, sie verbrennen das Sanguma meri». «Sanguma meri» meint die «Frau mit dem bösen Geist». Sofort rief ich meinen Angestellten zu: «Macht die Klinik zu, wir gehen alle hin». Einige hundert Leute waren um ein riesiges Feuer versammelt. Auf einem Haufen Gerümpel hatten sie Angela mit gespreizten Armen und Beinen gefesselt. Splitternackt. Sie war voller Brandwunden von den Folterungen mit den Feuerstangen. Ich schrie immer wieder «hört auf, hört auf»; mein Betteln war vergebens. Als ich probierte über einen Hag zu klettern, kamen sie mit den Feuerstangen auf mich los. Die Leute zogen mich zurück, um mich zu schützen. Hilflos nahm ich den Rosenkranz hervor und bat die Leute, mit mir laut zu beten. Der einsetzende starke Regen beendete das grausame Treiben. Später brachte die Polizei Angela und ihre Mutter zum Behandeln in unsere Klinik. Liessen sie Angela dann in Ruhe? Nein, kaum war sie bei uns im Care Center, kamen Leute von ihrem Dorf und sagten, sie müsse weg, sie habe den «bösen Geist». Am nächsten Morgen umzingelte das ganze Dorf die Klinik. Man begann Steine auf das Dach zu werfen. So riefen wir die Polizei und kamen nach Stunden im Gespräch überein, dass die Polizei die beiden Frauen ins Gefängnis mitnimmt und wir sie dort pflegen. Später schmuggelten wir sie an einen fünf Stunden entfernten Ort. Wie reagierte die Öffentlichkeit? Wir schickten einem Freund Fotos, er informierte Amnesty International. Als die Männer sich in der Zeitung neben dem Scheiterhaufen abgebildet sahen, schämten sie sich schon ein wenig. Daraufhin kam unser Bischof barfuss, ohne Mitra zum Gottesdienst. Mit diesem Zeichen und der Predigt forderte er die Leute auf, Busse zu tun für diese Gräueltat. Interview mit Sr. Gaudentia Meier, die seit 1969 im Südlichen Hochland von Papua Neuguinea im Einsatz ist. Nebst dem Aufbau von Kliniken und Gesundheitsschulen setzt sie sich seit Jahren erfolgreich für die Bekämpfung und die Prävention von Aids ein. Als anerkannte Aids-Spezialistin geniesst sie weit über das Land hinaus grosses Ansehen. mrz Um Gewaltverzicht betteln

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