baldeggerjournal

7 Bettelstudentinnen «Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen» (Lk 12.48). Das ist uns Schwestern aus Afrika bewusst, die wir von unseren Ordensgemeinschaften zum Studium nach Rom gesandt wurden. Wir alle sind glücklich, im Sommer einige Wochen im Kloster Baldegg verbringen zu dürfen. Hier werden wir mit Liebe aufgenommen. Obwohl wir auch auf finanzielle Hilfe angewiesen sind, fühlen wir uns nicht als Bettlerinnen und Abhängige. Vielmehr spüren wir, dass wir angenommen und geschätzt sind. Natürlich brauchen wir Unterstützung, um unsere verschiedenen Probleme als Studentinnen zu lösen: viele von uns sind ohne Stipendien, alle leben in einer fremden Umgebung, in einer anderen Kultur, ohne Gemeinschaft. Alle haben finanzielle Sorgen. Wir sind auf Menschen angewiesen, die uns helfen. Von der Grosszügigkeit anderer abhängig zu sein, kann entmutigen. Zu wissen, dass wir unserem Volk später zur Entwicklung und Überwindung der Unwissenheit helfen können, gibt uns Kraft, das Unangenehme zu ertragen. Die Erfahrung mit den Baldegger Schwestern stärkt und bereichert uns. Müde und problembeladen kommen wir nach einem Studienjahr hier an. Die Begegnung mit dem gütigen Lächeln so vieler ist wie Balsam für ein verwundetes Herz. Die Schwestern vermitteln uns die Gewissheit, dass wir zu ihnen gehören. Schon bei der Ankunft fühlen wir uns erleichtert. Nach einem aufregenden und herausfordernden Studienjahr in Rom begegnen wir hier – durch die Schwestern und im Gebet – Jesus. Wir entspannen uns, denn Jesus führt uns zum inneren Frieden. In Rom haben wir in der anstrengenden Studienzeit oft Mühe, uns zu sammeln und zu beten. Hier in Baldegg können wir uns geistlich erholen und erneuern. Es ist schön, wenn die Schwestern uns sagen, dass wir jugendliche Freude in die Gemeinschaft bringen. Dass man uns liebt. Dass die Gemeinschaft dankbar ist für unsere Dienste. Ja, wir fühlen uns wohl. Gemeinsame Arbeit, Gebet und Begegnungen: alles trägt zu unserer intellektuellen, religiösen und praktischen Weiterbildung bei. Bei einigen von uns sind die Baldegger Schwestern in ihr Leben getreten, als alles nicht mehr ging, als keine Hoffnung mehr vorhanden war. Wir mussten nicht betteln. Wir fanden ganz natürlich Aufnahme und Zuwendung – und das Leben ging weiter. Darum danken wir aus ganzem Herzen für alles, was Afrika durch sie empfängt, über uns zehn Studentinnen von heute und schon seit vielen Jahren über mehr als hundert afrikanische Schwestern. Seit vielen Jahren nehmen wir im Kloster Baldegg afrikanische Schwestern auf, die in Rom studieren. Sie leben während der Semesterferien im Sommer für zwei bis drei Monate mit uns. Ihre Heimatländer sind Angola, Benin, Burkina Faso, Congo, Guinea Conakry, Guinea Bissau, Mali, Mozambique, Senegal, Tanzania, Zimbabwe. Sr. Judith Kalamena, Congo (Aus dem Französischen übersetzt von Sr. M. Martine Rosenberg) Baldegger Mission

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=