13 Jammern blockiert – Kinästhetik bewegt Sr. Diana Keller, Amden Ach, dä Chrampf und dä Stress! So oder ähnlich tönt es oft in Pflegeheimen und Spitälern beim Pausenkaffee. Denn ältere und kranke Menschen haben meist Mühe vom Stuhl aufzustehen, sich an den Bettrand zu setzen oder sich fortzubewegen. Diese unvermeidliche Anstrengung löst Stress aus, bei den Pflegenden und den Betroffenen. Die helfende Person unterstützt mit Schieben, Ziehen oder Heben. Innerlich geht oft ein Jammern los, nicht nur über Zeitmangel und Überbelastung, sondern über den betagten Menschen, der zu schwer ist, zu verspannt, zu steif. Das führt dazu, dass gar nichts mehr geht. Und wenn mit viel Anstrengung eine kleine Bewegung gelingt, reagiert der Patient oder die Patientin mit Schmerz und mit noch mehr Anspannung, sperrt und hat Angst vor der Mobilisation. Worauf noch mehr Kraft eingesetzt wird, denn irgendwie muss es doch gehen. Die Spannung steigt. Endlich wieder einmal geschafft! Im schlimmsten Fall mit dem Resultat, dass die Pflegeperson sich dabei quälende Rückenschmerzen geholt hat. Grund genug für sie, noch mehr zu jammern über diese unhaltbare Situation. Anstatt zu jammern, kann ich mich fragen: Wie kann ich etwas verändern? Was führt in eine andere hilfreiche Richtung? Mir persönlich hat dabei die Ausbildung zur Trainerin für Kinästhetik geholfen, Antworten zu finden. Kinästhetik ist das Studium der Bewegung und der Wahrnehmung. Dabei habe ich gelernt, Menschen in ihren Bewegungsabläufen ohne Heben und Tragen zu unterstützen, ihre Bewegungsressourcen zu erkennen, ihre Selbständigkeit zu fördern und dabei gleichzeitig die eigenen Kräfte zu schonen. Voraussetzung, um andere Menschen in der Bewegung zu unterstützen, ist zuerst die differenzierte Wahrnehmung meiner eigenen Bewegung. Anhand von ein paar kleinen Übungen können Sie selber nachspüren, wozu Sie viel Kraft benötigen und wozu weniger. Am besten legen Sie nun das BaldeggerJournal auf die Seite und machen gleich die erste Übung. Dazu setzen Sie sich ganz nach hinten auf den Stuhl, berühren die Lehne und stehen möglichst gerade auf. Erspüren Sie den Kraftaufwand des Aufstehens? Setzen Sie sich wieder auf den Stuhl, verlagern Sie nun das Gewicht von einer Seite auf die andere, bewegen Sie sich auf der Sitzfläche nach vorne und stehen auf. Die nächste Variante: Sie sitzen auf dem Stuhl, drehen seitlich ab, die eine Hand halten Sie seitlich an den Stuhl, die andere stützen Sie auf das Bein und stehen auf. Welche Variante war für Sie am hilfreichsten? Und nun: Einmal beide Füsse eng zusammenhalten und aufstehen. Dann noch einmal mit Spielraum dazwischen und aufstehen. Einen Fuss nach vorne stellen, den andern nach hinten und aufstehen. Beide Füsse nach vorne stellen und aufstehen. Was braucht mehr Anstrengung? Welche Stellung blockiert Ihren Bewegungsablauf? Bewegung braucht genügend Raum. Je enger der Platz, desto höher die Anspannung. Bewegung braucht auch Zeit. Je schneller die Bewegungsabläufe, desto grösser die Anstrengung. Als gesunder Mensch kann ich die Kontrolle über den Bewegungsablauf behalten, Menschen mit Bewegungseinschränkungen verlieren sie. Zeit und Raum sind darum wesentlich im Umgang mit sich selbst und mit Anderen, sie beeinflussen die Anstrengung und die Spannung. Diese Faktoren müssen der Situation der Betroffenen angepasst werden, damit sie dem Bewegungsablauf folgen können. Kinästhetik ermöglicht einen Lernprozess, der keine Rezepte vermittelt, sondern in jeder Situation die Ressourcen erspürt und so die Gesundheit unterstützt. Dies erfolgt in kleinen Schritten. Es ist ein kreativer und fortdauernder Prozess, der mithelfen kann, das alltägliche Jammern über gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu vergessen. Wichtig ist, dass ich diese Bewegungsabläufe immer wieder einübe. Dabei darf ich schon hie und da über die fehlende Ausdauer jammern. Kur- und Ferienhaus Bergruh
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