7 Den suchen, der mich gefunden hat Jahrzehnte sind es her, seit ich in Bern aufgewachsen bin in einem damals fast ausschliesslich protestantischen Milieu. Unsere Eltern vermittelten uns «religiöse» Werte nicht über eine Glaubenserziehung. Glaube und Religion waren eher Tabuthemen in unserer Familie, so mein Empfinden in der Rückschau. Durch meine berufliche Tätigkeit im Spital kam ich in Berührung mit viel Leid, Krankheit, Sterben, aber auch mit Leben und Freude. Fragen nach dem Sinn und Ziel des Lebens, nach Tod und Sterben, nach Warum und Wozu, nach Gott, tauchten auf. Mein Suchen nahm so seinen Anfang. Ein Stellenwechsel führte mich ins Spital Wolhusen, wo Baldegger Schwestern für die Pflege und Betreuung der Kranken zuständig waren. Das konfrontierte mich gleichzeitig mit der katholischen Kirche und dem Ordensleben. Mein Suchen Sr. Francesca Schlumpf, Baldegg und Fragen verunsicherte mich, ich fühlte mich hin und her gerissen. Einerseits faszinierten mich Leben und Glaube dieser Schwestern, das Eucharistieverständnis der katholischen Kirche und die Liturgie. Anderseits tauchten Ängste auf. Zu gut kannte ich die eher negative Einstellung meiner Eltern zur katholischen Kirche. Eine Baldegger Schwester riet mir, in der reformierten Gemeinde Heimat zu suchen. Bald spürte ich, dass ich sie dort nicht fand. Was wollte Gott von mir? An einem Einkehrwochenende klärte sich etwas in meinem Suchen und Ringen. Eine tiefe Gotteserfahrung, die mich seither nie mehr losgelassen hat, wurde mir geschenkt. Dieses Schlüsselerlebnis prägt auch heute noch meinen Weg. Meine Eltern litten. Ihnen zuliebe verliess ich das Spital Wolhusen und zog für ein paar Monate ins Tessin. Die Eltern erhofften sich, dass ich so auf andere Gedanken komme. Das Gegenteil geschah. Immer mehr sehnte ich mich danach, zur katholischen Kirche zu gehören. Strukturen und Hierarchien der katholischen Kirche kümmerten mich damals wenig. Die Entscheidung bezüglich meines Lebensweges lastete auf mir. Die Spannung war gross: Meine Eltern hatten Angst mich zu verlieren, und ich war überzeugt, im Ordensleben meine Berufung und mein Glück zu finden. Dazu musste ich aber katholisch werden. Aus dem Geheimnis der Eucharistie schöpfte ich die Kraft zu diesen beiden Schritten. Ich fühlte mich getragen, egal was kommen würde. Mein Übertritt in die katholische Kirche war für meine Eltern schwierig, noch mehr der Schritt ins Kloster Baldegg, den ich ein Jahr später tat. Sie konnten mich und meinen Weg nicht verstehen. Doch «die Zeit heilt Wunden»: Im Verlauf der Jahre spürten die Eltern, dass ich meinen Weg gefunden und sie mich nicht verloren hatten. Sie versöhnten sich mit meinem Weg, auch wenn sie ihn nie ganz verstehen konnten. Mehr als dreissig Jahre sind seit meinem Übertritt in die katholische Kirche und dem Eintritt ins Kloster vergangen. Sie brachten mir Hochs und Tiefs, Zweifel und kleinere Krisen. In mir lebt die Gewissheit, dass ich gefunden habe, was ich suchte und dass mich der gefunden hat, den ich suchte. Trotzdem weiss ich: das Suchen hört bis zum Lebensende nicht auf. Immer wieder will Gott von mir neu gefunden werden.
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