8 Kloster Baldegg Das Bild der Zugvögel, ein Wort von Ernesto Cardenal, gibt einen Grundzug des menschlichen Lebens wider. Der Mensch ist der ewig Suchende, und das ganze Leben ist eine Suchbewegung. Woher kommt die innere Unruhe, die den Menschen wie die Zugvögel immer neu aufbrechen lässt? Was ist das für eine Heimat, die wir nie gesehen haben? Und was geschieht, wenn wir, des Suchens müde geworden, am Wegrand liegen bleiben? Alles beginnt mit der Sehnsucht Mit der Geburt beginnt das Leben und mit dem Tod geht es zu Ende. Dazwischen liegt der Weg des Menschen. Auf seinem Lebensweg ist es jedem Menschen Eine Heimat, die sie nie gesehen haben P. Hubert Holzer SJ, Basel aufgegeben, zu sich selber zu finden, der Mensch zu werden, der in ihm grundgelegt ist, mit seiner Begabung und mit seinen Grenzen. «Ein abgrundtief Geheimnis ist der Mensch», einmalig und unverwechselbar. Der Zugang zum Geheimnis seines Lebens erschliesst sich dem Suchenden nur auf dem Weg in die Tiefe. Nur auf dem Weg nach innen kommt der Mensch zu sich selber, findet er seine Identität. Dieser Weg nach innen kann mühsam sein. Viele scheuen die Mühe und leben an der Oberfläche. Aber die Sehnsucht bleibt. In stiller Stunde meldet sie sich zu Wort: Wer bin ich denn eigentlich? Wohin führt mein Weg? – Ich bin mir zur Frage geworden. Des Suchens müde, bleibt dann manch einer am Wegrand liegen. «Suchende werden – Suchende bleiben», so überschrieben die Jugendlichen ihren Gottesdienst. Die Überschrift macht deutlich, dass wir nicht nur als einzelne, sondern als menschliche Gemeinschaft im Suchen unterwegs sind. Das eindrücklichste Beispiel, wie die Menschheit in ihren Suchbewegungen unterwegs bleibt, ist wohl der Flug ins All, um nach neuen Lebensmöglichkeiten zu forschen. So sind auch Kulturen in ihrer Hochblüte das Ergebnis langer gemeinsamer Suchwege. Aber wie die Blume verblüht, so gehen auch ganze Kulturen unter, und die Suche beginnt von neuem. Alles beginnt mit der Sehnsucht, und der Mensch ist der ewig Suchende. Was sucht er denn eigentlich? Einen letzten Sinn seines Daseins über die Todesgrenze hinaus? Ein letztes und bleibendes Geborgensein? Ein nie mehr aufhörendes Geliebtsein? Suchende werden – Suchende bleiben. Die verschüttete Sehnsucht Wie bei unseren Wanderungen, so können wir auch auf den Suchwegen des Lebens ermüden: Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr, es hat doch keinen Sinn, ich möchte nur noch vergessen, lasst mich in Ruhe! Und wir bleiben, wie ein Wanderer, erschöpft am Wegrand liegen. Die innere Triebfeder hat ihre Spannung verloren, die Sehnsucht ist verschüttet. «Obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie Zugvögel, die, an einem fremden Ort geboren, doch eine geheimnisvolle Unruhe empfinden, wenn der Winter naht, einen Ruf des Blutes, eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, die sie nie gesehen haben und zu der sie aufbrechen, ohne zu wissen wohin.»
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