baldeggerjournal

11 das rote Gewand blieb verschwunden. Und so erschien bei Sophie wie üblich ein Nikolaus im Bischofsgewand an Stelle eines roten Weihnachtsmannes. Die Aufregung um das Lederköfferchen blieb Sophie verborgen. Der Nikolaus brachte eine kleine Elefantenherde. Orangen und Datteln gab es keine. Bald kam Heiligabend. Oma Lilli lud zum Kaninchenbraten. Gerade wollten die Kinder die Geschenke auspacken, da klingelte es. Frau Müller vom Milchladen stand vor der Tür. Sie presste kaum hörbar hervor, dass sich vor Stunden, ein Ne ... also ein Mann mit schwarzer Hautfarbe aus Afrika, im Milchladen nach einer Sophie von der Bergstrasse erkundigt hatte. «Mein Mann», so sprudelte es jetzt ziemlich laut aus Frau Müller heraus, «Otto sagte, ich müsse Sie unbedingt warnen vor diesem Ne..., ähm, vor dieser Person. Mein Mann sagte, er würde gerne Polizist Notter verständigen.» Nun stand Papa energisch vom Sofa auf. «Frau Müller», begann er, «ich kann mir nicht vorstellen, dass unserer Sophie Gefahr droht, dieses Kind klaut keiner.» Frau Müller schaute beleidigt. Oma Lilli holte rasch einen Christstollen aus der Küche zum Dank für die Warnung. Plötzlich ertönte ein helles Glöcklein. Frau Müller sah ihn Geste, den Weihnachtsmann zu spielen. «Jean», sagte Polizist Notter versöhnlich, «ein schwarzer St. Nikolaus verursacht hier Aufregung. Wir sind uns das nicht gewohnt.» Dann überschritt Polizist Notter mutig seine Kompetenzen: «Jean, wir würden uns freuen, wenn Sie beim Krippenspiel der Sternsinger mitmachen würden. Im langen Zug durch unsere Stadt mit all den kleinen und grossen Engeln, mit Josef, Maria und dem Weihnachtskind, den Hirten, Schafen, den Heiligen Drei Königen und dem Kamel aus dem Zoo.» Jeder der Anwesenden im Friseursalon wusste sofort, welche Rolle gerade neu besetzt wurde. Otto Müller seufzte. Für dieses Jahr hatte er eben die Rolle von König Caspar verloren. «Eigentlich schade», dachte der Milchmann. Doch Jean war einfach die bessere Besetzung! Nach der Christmette erfuhr Sophie von Opa Hugos Koffer und Don Emilio vom unfreiwilligen Abgang des Milchmanns beim Krippenspiel. «Fröhliche Weihnachten», rief Don Emilio daraufhin allen zu. zuerst, stolperte und stürzte die Treppe hinunter. Papa lief hinterher. Bepackt mit einem Sack stand der Weihnachtsmann in der Tür. Mit französischem Akzent fragte er: «Bin isch ir rischtisch bei Sophie von Bergschtrassée?» Oma Lilli entfuhr: «Jesses Maria, ein Neger.» Die kleine Schwester klatschte in die Hände und rief: «Ein Nikolaus aus Schokolade.» Der Dackel von Opa Hugo knurrte wie ein Kampfhund. Dann ertönte das Martinshorn von Polizist Notter. Otto Müller hatte vorsorglich die Polizei verständigt. Wie ein Held stand er am Fenster. Jetzt musste er nur noch seine Frau retten. Opa Hugo erfasste die Situation. Es war sein rotes Nikolausgewand, das der junge Mann aus der Fremde trug. Im Sack lagen Orangen und Datteln aus Marokko. Polizist Notter zückte Handschellen. «Halt», rief Opa Hugo, «keine Handschellen. Die Erwachsenen folgen mir bitte in den Friseursalon. Die Kinder gehen mit Oma Lilli in die Stube. In zehn Minuten können wir wieder feiern.» Sophie murrte. Sie fand es ungerecht von Opa Hugo, denn der Weihnachtsmann hatte ausdrücklich nach ihr gefragt. Opa Hugo klärte die Verwechslung des Koffers. Zum Beweis holte er den Lederkoffer mit den afrikanischen Stoffen. Er bedankte sich bei Jean für die

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