baldeggerjournal

13 Antonius hilft immer Sr. Marie-Theres Rotzetter Von Kindsbeinen an ist Antonius von Padua der Heilige, der mir suchen hilft, wenn ich etwas nicht mehr finde. Wer ist er für dich? Sr. Marie-Theres: Für mich ist er einer der bedeutendsten Heiligen nebst Franziskus und Klara von Assisi. Sein Einsatz für das einfache Volk und für den Frieden, seine Solidarität mit den Armen beeindruckt mich sehr. Er liebte die Kirche, scheute sich aber nicht, sie auch zu kritisieren. Er war ein ganz begnadeter Verkünder des Glaubens. Ich bewundere ihn. Mir ist darum schon wichtig, dass der heilige Antonius nicht einfach reduziert wird auf den «Schlüsselfinder». Warum verehren ihn die Leute aber gerade deswegen? Sr. Marie-Theres: So ganz genau lässt sich das nicht sagen. In einem Lied, das wenige Jahre nach seinem Tod entstand, ist in einer Strophe die Rede davon, dass alle, die darum ‹flehen›, die ‹verlorenen Glieder› und die ‹verlorenen Sachen› bekommen. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass der heilige Antonius bereits zu Lebzeiten eine unvorstellbare Verehrung erfuhr. Wir können uns die handfeste Auseinandersetzung um seinen Leichnam nicht vorstellen. Sie endete mit einem wahren Volksauflauf in Padua. In unzähligen Legenden werden Wunder und Heilungen erzählt, die vom toten Antonius ausgegangen sind. Die Volksfrömmigkeit hat sie nie vergessen. Der heilige Antonius wirkt auch heute noch Wunder. Hast du selber schon eines erlebt? Sr. Marie-Theres: Ja, ich habe schon viele unwahrscheinliche Erfahrungen mit dem Antonius gemacht. Eine der grössten war jene mit dem geschenkten Auto. Vor Jahren betreute ich eine in Schulden geratene Familie mit einem schwer erkrankten Kind. Aufgrund der Arbeitsplatzsituation war der Vater dringend auf ein Auto angewiesen, das Geld dazu hatte er aber nicht. So ging ich zu meiner Oberin und sagte ihr: «Du, ich muss mit dir reden, jetzt muss der Antonius mir wirklich helfen.» Und ich erklärte ihr, warum ich dringend ein Auto für diese Familie benötige. Sie sagte zu mir: «Sitz ab, Marie-Theres, heute Morgen habe ich ein Telefon bekommen, dass wir in der Ostschweiz ein geschenktes Auto abholen können.» Ich glaube einfach fest daran, dass der heilige Antonius uns schickt, was wir brauchen. Glauben genügt? Sr. Marie-Theres: Wenn das Vertrauen und der Glaube da sind, dann hilft der heilige Antonius ganz sicher, wenn manchmal auch anders als erwartet. Für mich ist das kein Aberglaube. Unzählige Dankesbriefe von Menschen, denen er wirklich geholfen hat, bezeugen uns das. Hilft der hl. Antonius nur beim Suchen von «materiellen Dingen»? Sr. Marie-Theres: Nein, nein! Seine Fürbitte kann man in allen Belangen erflehen. Wir erhalten ja täglich viele Briefe oder Telefone, übrigens auch von Andersgläubigen. Es geht um Nöte aller Art, um Prüfungsängste, um Sorgen um den Arbeitsplatz, um Verunsicherung in der Kirche oder um die Gesundheit, usw. Ich bin sicher, dass der heilige Antonius auch bei der «Gottessuche» oder beim Suchen des Lebenssinnes hilft. Aber Vertrauen und Glauben braucht es auch hier. Auf der ganzen Welt wird Antonius von Padua als «Finder von allem Verlorenem» verehrt. Viele Menschen bedanken sich für das «Wiedergefundene» jeweils mit einer Geldspende. Auch das Seraphische Liebeswerk in Solothurn, dessen Patron der Heilige aus Padua ist, erhält auf diese wundersame Weise immer wieder die benötigten Mittel, um den Einsatz für notleidende Familien und gefährdete Kinder zu finanzieren. Sr. Marie-Theres Rotzetter leitet das Seraphische Liebeswerk seit 2006 als Generaloberin und lädt jedes Jahr zum Antoniusfest in das Antoniushaus in Solothurn ein. Im Gespräch mit ihr und Sr. Marie-Ruth Ziegler erfahren wir mehr über diesen beliebten Heiligen aus Padua.

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