Psalmen 14 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt Sr. Renata Geiger «Göttlicher Tanzkurs!» Ist es Ihnen ums Tanzen? Wenn nein – wenden Sie sich an Gott und er wird Sie zum Tanzen bringen! So wenigstens behauptet es der Verfasser von Psalm 30. Schön wär's! Aber so einfach, wie es tönt, geht es nicht. Bis es so weit ist, braucht es Vertrauen und einen langen Atem. Und dass zwischen der Klage und dem Tanz eine weite Wegstrecke zu überwinden ist, hat wohl auch der Psalmist, dem wir das Klagelied verdanken, trotz allem Optimismus, erfahren. In allen Zeiten haben Menschen darunter gelitten, dass Gott schweigt, wenn tödliche Not sie quält. Oft verstummen Menschen vor solchen Erfahrungen. Ihr Leid macht sprachlos. Aber Klagepsalmen rufen den schweigenden Gott an, klagen ihn sogar an, ziehen ihn zur Rechenschaft, geben aber die Beziehung zu ihm nicht auf. Wer noch zu Gott schreien kann, erfährt sich als lebendig. So führen diese Klagelieder den Beter von der Anspannung (Not) zur Entspannung (in der Erfahrung der Hilfe), vom Klagen zum Tanzen. So geht dieser «göttliche Tanzkurs!» Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt Keine einfache Aussage, wenn ich mitten in der Klage stecke. Aber vielleicht ein Satz, den ich mir gerade für diese Momente und Zeiten merken kann. Dass das Klagen selbst schon der erste Schritt ist, dass ich im Klagen die Beziehung halte und dass mich am Ende meines Klagens der Tanz erwartet. So heisst es in Psalm 30: «Ich will dich rühmen, Herr, * denn du hast mich aus der Tiefe gezogen. Herr, mein Gott, ich habe zu dir geschrien, * und du hast mich geheilt. Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt / hast mir das Trauergewand ausgezogen * und mich mit Freude umgürtet. Darum will ich dir singen * und niemals verstummen.» Ein auffälliges Strukturelement im Klagelied eines Einzelnen ist ein überraschender Stimmungsumschwung. Meistens sind die äusseren Gründe dafür nicht auszumachen. In unserem Psalm aber kennen wir die Ursache. Die Situation, in die der Beter geraten ist, beschreibt er als Todesgefahr. Sie weist hin auf Angst und Ausweglosigkeit. Wo und wie immer das Leben eines Menschen bedroht und gestört wird, ist die Macht des Todes am Werk. Wer keine Lebenskraft und keinen Lebensmut mehr hat, ist in der Sicht der Bibel tot, ausser er wird, wie in unserem Psalm, von Gott ins Leben zurückgerufen. Diese Erfahrung hat der Beter gemacht und real erfahren, dass Gott sein Schreien hört. Und er weiss auch, dass das Leben ein Geschenk ist, weil es ihm an der Schwelle des Todes wiedergegeben wurde. Im Bild des Tanzes wird diese Erfahrung sichtbar gemacht. Die Klage über sein Unglück schlägt um in Tanz. Klagen führt zum Tanzen – was für ein wunderbares Bild für die erfahrene Rettung. Dass mich Gott – gerade, wenn ich mich von ihm und aller Welt verlassen fühle – fest an seinen Händen hält, mit mir klagt, mit mir ringt und vielleicht – eines Tages sogar mit mir tanzt! Wie auch immer. Tanzen bedeutet Gemeinschaft, es ist eine Aufforderung, ein Weg aus der Einsamkeit aus der Todesbedrohung. Tanzen bedeutet in Bewegung zu sein, nicht stehen zu bleiben, nicht einfach nur einen Standpunkt einzunehmen und unbeweglich darin zu verharren. Wer tanzt, bleibt beweglich. Tanzen ist ein Ausdruck von Lebensfreude, Freude ins Leben zurückgefunden zu haben, wie es im Psalm 30 heisst.
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