baldeggerjournal

Glauben & Beten 15 Wann bist du ins Kloster eingetreten – und warum? Am 15. Oktober 1988, an einem wunderschönen Herbsttag. Dieser Tag bleibt mit drei Ereignissen unvergesslich: Am Morgen noch habe ich die Blumenrabatte vor dem Elternhaus neu bepflanzt. Anschliessend habe ich mein ausrangiertes Auto in die Autoverwertung gebracht. Dann nahm ich Abschied von meinen Eltern und wurde von meiner Schwester ins Kloster Baldegg begleitet. Wo bist du daheim? Menschen und Orte schenken mir Heimat und Beheimatung: die Gemeinschaft der Klosterherberge, meine Herkunftsfamilie, das wunderschöne Seetal, meine eigenen vier Wände, wo ich in Stille bei mir sein kann. Auch Sehnsuchtsorte wie die Berge oder die Seen, schöne Landschaften, die mein Herz berühren. Ein Erlebnis aus der Kinder- oder Jugendzeit, das dich prägte? Beim Spielen mit meinen Geschwistern im Estrich fiel ich in den offenen Kamin, der gerade renoviert wurde. Wie durch ein Wunder blieb ich mit den Armen hängen. Wo nur hätten sie die Kaminmauer eingeschlagen, um mich zu retten? Diese Frage begleitete mich lange. Mein Leben hätte bei diesem Spiel ein Ende finden können. Wer ist dir Vorbild? Mich berühren Menschen, die Gutes in die Welt hineintragen und Gaben und Begabungen teilen. Auch Menschen, die Krankheit, Schmerzen und Schicksalsschläge ertragen und trotzdem Mut und Hoffnung nicht verlieren. Prägend ist für mich Jesus – sein Umgang mit den Menschen. Wer lehrte dich glauben? Ein Grundstein wurde im Elternhaus gelegt – auf ganz natürliche Weise: Danken fürs Essen, fürs Gelingen, fürs Behütetsein und für die kleinen Freuden im Alltag. Bitten um gutes Gedeihen von Saat und Früchten, oder dass ein krankes Tier im Stall gesunden möge. Zwei «Klostertanten», der Dorfpfarrer, der uns tolle Erlebnisse ermöglichte, die franziskanischen Schwestern im Altersheim, die mir verschiedenste Arbeiten zutrauten, die Glaubensgespräche, die kritisch-religiösen Auseinandersetzungen und Feiern während der Zeit an der Schule Baldegg, die Gastfreundschaft des Klosters in der Mutterhauskapelle – die Aufzählung kann ich bis zum heutigen Tag weiterführen. Für mich ist Glauben ein nie endender Prozess. Welche Farbe hat dein Glaube? Meinen Glauben verbinde ich mit der Farbe Blau, die ich mit Tiefe und Weite assoziiere. Was bedeutet dir glauben? Vertrauen, dass Gott mir zugewandt ist und für mich ein Leben in Fülle will. Wer ist Gott für dich? Gott ist ein Du und hat für mich viele Namen. Ich finde ihn in den vielfältigen Gottesnamen der Bibel und im Lobpreis des Hl. Franziskus: «Du bist die Schönheit» oder «Du bist das Gute». Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes in deinem Leben? Immer wieder erfahre ich, dass ich gerade zur richtigen Zeit zum richtigen Ort geführt werde, ein Geschenk der Gnade. Gibt es auch Zweifel? Glaubenszweifel sind mir nicht fremd. Wenn ich dabei offen und fragend bleibe, wachsen nach und nach neue Antworten. Wie betest du? Ich bete gerne in der klösterlichen Gemeinschaft. Sie trägt mein Beten mit und umgekehrt. Im persönlichen Beten bringe ich all das, was mich fordert, erfüllt, belastet, ängstigt vor Gott, Lichtvolles und Schattenhaftes. Und ich bringe auch die leidenden Menschen ins Gebet und bitte für sie um Segen und Zuversicht. Welches Wort aus der Bibel oder welches Gebet begleitet dich durch das Leben? Je nach Situation wird mir das richtige Wort geschenkt. Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest Vertraue, dass Gott alle Wege mitgeht – «Er ist da, wo ich bin.» Lerne den Raum der Stille in dir kennen. Kehre jeden Tag einen Moment lang dort ein. Es lohnt sich. Sr. Katja Müller, 1964, aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Auw AG. Ausbildung zur Handarbeitslehrerin am Seminar Baldegg, Einsatz an der Volksschule und an einer heilpädagogischen Schule, 1988 Klostereintritt, 1991–2004 Unterrichtstätigkeit am Handarbeitslehrerinnenseminar Baldegg, Weiterbildung Studiengang Theologie und Geistliche Begleitung. Seit 2009 Leben und Wirken in der Klosterherberge Baldegg sowie seit 2017 Mitglied der Generalleitung.

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