9 Er ist überzeugt, dass es einen Weg gibt, der nur für ihn bestimmt ist. Weil Gott ihn so für ihn angelegt hat. Den Weg suchen tut er mit der gleichen Zähigkeit, mit der er Felswände bezwungen hat. Auch dann, wenn Schwierigkeiten auftauchen, er sich müde und ausgelaugt fühlt und es einfach nicht läuft, bleibt er dran. Vom Klettern weiss er: kurz vor der Verzweiflung kommt die Wende – und es geht wieder vorwärts. So ist es auch auf seinem geistlichen Weg. Damals beim Klettern hat er viel nachgedacht und gelernt, dass der Berg Demut verlangt, dass der Berg immer stärker als der Mensch ist und der Berg es ist, der die Grenzen setzt. Es ist ihm bewusst, dass er am Fels manchmal zu viel wollte, zu schnell es wollte oder zu ungeduldig mit sich war. Von diesen Erfahrungen profitiert er heute. Auch von seinen Mitstudierenden. «Sie lehren mich viel, ich lerne viel von ihnen. Und das Studieren selber, das ist etwas Wunderbares. Ich lerne immer wieder Neues. Das ist faszinierend.» Obwohl er in Bourguillon in Gemeinschaft lebt, erfährt er das Alleinsein hier intensiver als damals beim Klettern. «Auf meinem persönlichen Weg der Nachfolge Jesu bin ich ganz allein.Aber es ist eine Einsamkeit, die nötig ist, damit meine Beziehungen wachsen können.» In der Erfahrung der Einsamkeit fühlt er sich Jesus besonders nahe. War Jesus denn auch ein massloser Mensch? «Ich glaube, er war es besonders in der Weise, dass er in äusserster Anstrengung Zeugnis gab von der Wahrheit. Doch war er sehr massvoll in seinen Beziehungen zu den anderen, und er wusste jedem genau das zu geben, was er brauchte. Er war also masslos und massvoll zugleich.» Diesem Jesus will er nachfolgen, sein ganzes Leben lang. Er wird es als Priester tun. Seine Gemeinschaft hat diesen Wunsch an ihn herangetragen. Verlangt sein Weg mit Gott auch den masslosen Einsatz, den er am Felsen zeigte? «Hmmh, es braucht eine Art Verrücktheit», sagt Frère Didier, und lacht erneut sein helles ansteckendes Lachen. 1) www.sport.sf.tv/Sendungen/sportlounge/Archiv/ sportlounge-vom-16.04.2012 Europäisches Institut Philanthropos Bourguillon Seit September 2004 belegt das «Europäische Institut Philanthropos» die Räume unseres ehemaligen Pensionates Salve Regina in Bourguillon. Das Angebot von «Philanthropos» will nicht nur theoretisches Wissen zum Thema «Mensch und Menschsein» vermitteln. Es lädt die Studierenden ein, im gemeinschaftlichen Alltag und im gemeinsamen spirituellen Leben das Menschsein zu erproben. Mitglieder der Gemeinschaft «Eucharistein» sind für die Bereiche Wohnen, gemeinsames Leben und die spirituelle Animation der Studierenden zuständig. www.philanthropos.org; www.eucharistein.org
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