13 Massgeschneidert Sr. Kerstin Rast, Baldegg Was? Ihr macht die Kleider selber? Wie viele Näherinnen habt ihr dann? Wie häufig bekommt eine Schwester ein neues Kleid? Warum überhaupt ein Ordenskleid? Solche und ähnliche Fragen werden uns oft gestellt. Ein Kleid hat immer nützliche und ästhetische Funktionen zu erfüllen. Ein Ordenskleid zeichnet zudem die Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus. Es weist auf eine bestimmte Wertordnung hin. Innerhalb des Klosters erfüllt es eine integrierende und einheitsfördernde Rolle. Unser heutiges Ordenskleid wurde in den Siebzigerjahren entwickelt. Es war eine Herausforderung, eine Kleidform zu finden. Sie sollte für alle Figuren und Generationen passen, schlicht und einfach, bequem und zeitlos, pflegeleicht und ästhetisch sein. Wenn eine Schwester ein neues Kleid bestellt, geht sie für die Anprobe in die Klosterschneiderei. Das ist ein wichtiger interner Kleinbetrieb. Wir tragen zwar alle das gleiche Kleid, aber es wird hier je individuell angepasst. Denn die äussere Erscheinung der Schwestern ist sehr vielfältig. Es gibt Grosse, Kleine, Schlanke, Vollschlanke, Aufrechte, Nach-vornGeneigte – um nur ein paar wenige Unterschiede zu nennen. Die Schwester bestellt das neue Kleid nach ihrer Kleidergrösse, die in etwa den Grössenangaben der zivilen Bekleidung entspricht. Jede dieser Normgrössen haben wir in drei unterschiedlichen Längen an Lager. Unsere Kleider sind zu einem Teil konfektioniert, d.h. eine Näherei in der Schweiz macht die Zuschnitte, näht die Grundnähte und arbeitet die Taschen ein. Diese Halbfabrikate erleichtern die individuelle Massanfertigung eines Kleides. Jedes neue Kleid erfordert zwei Anproben. In erster Linie wird die Passform überprüft. Wo nötig werden Änderungen vorgenommen. Auch die persönlichen Bedürfnisse nach mehr oder weniger Weite oder Länge usw. werden berücksichtigt. Die Freude ist immer gross über ein neues Kleid, das die Schwester «massgeschneidert» in Empfang nehmen darf. Es ist nicht etwa das Modediktat, das bei uns ein neues Kleid fordert, sondern die Abnützung des Materials oder die nicht mehr stimmige Passform. Den «masslosen» Verbrauch von Kleidern gibt es kaum. Viel häufiger anzutreffen ist bei uns die Anhänglichkeit an einen alten Rock. Vielleicht liegt es daran, dass er zur zweiten Haut geworden ist. Auch im Kloster sind «Second-hand»-Kleider beliebt. Es sind dies gut erhaltene Kleider von verstorbenen Mitschwestern oder von Schwestern, die – meist ungewollt – in eine andere Kleidergrösse gewechselt haben. Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist für uns, Angebot und Nachfrage im Blick zu haben. Im ganzen Produktionsverlauf sollten keine Lücken entstehen – nicht bei den Stoffen und den diversen Zutaten und nicht bei den Kleid-Halbfabrikaten. Für diese Einschätzungen ist von uns wiederum das gute Mass gefragt. Ein gerütteltes Mass an Zeit verwenden wir auch für das Reparieren und Instandstellen sämtlicher Textilien, die unsere Wäscherei durchlaufen. Dazu gehören auch die Berufskleider der Mitarbeitenden in Küche und Haus- und Pflegedienst. Alle schadhaften Stücke werden mit farbigen Punkten versehen und uns zum Flicken gebracht. Dabei ist nicht das weit verbreitete Motto «Zeit ist Geld» massgebend, sondern der sorgsame Umgang mit den Rohstoffen und unserer Umwelt. Damit setzen wir auch ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität. Einige unserer betagten Mitschwestern finden so auch eine natürliche und sinngebende Beschäftigung. Die angemessene Zuteilung aller Arbeitsaufträge, die täglich eingehen, liegt in der Verantwortung der Leiterin der Klosterschneiderei. Sie wird unterstützt von einem Team von Schwestern, die diesen Dienst an der Gemeinschaft mit Hingabe und Freude tun.
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