baldeggerjournal

14 mail@klosterbaldegg.ch Betreff: Fukushima Von: Sr. Imelda Kaufmann An: Elisabeth Suzuki Gesendet: 11. Mai 2012 Elisabeth Suzuki-Erni besuchte von 1962–1965 die Hausbeamtinnenschule in Baldegg. Sprachaufenthalt in Perugia. 1972 Heirat mit Masafumi Suzuki. Unterrichtet seit 1972 in Japan. (masasuzu@gray.plala.or.jp) Sr. Imelda Kaufmann absolvierte von 1962–1965 das Hauswirtschaftslehrerinnenseminar in Baldegg. 1967 Klostereintritt. Sie ist für die klösterlichen Mobilien und Liegenschaften zuständig. (sr.imelda@klosterbaldegg.ch) mail@klosterbaldegg.ch - - - - Original Message - - - - From: Suzuki Masafumi To: Sr. Imelda Kaufmann‘ Sent: Thursday, May 23, 2012 4:33 AM Subject: RE: Fukushima, Projekt Apfelbaum Liebe Sr. Imelda Du bist bereits in «bella Italia». Dass du in Perugia an mich denkst, finde ich sehr lieb. Danke! Ja, masshalten sollten wir alle lernen und zurück zur Natur sowieso. Meine Mutter wurde immer so mitleidig belächelt, und man sagte etwa: «Ja, ja, Sie sind äbe an Eifachi, gelletsi Frau Erni.» Ganz so, als würde Bescheidenheit gar nichts zählen. Das hat mich immer ganz nachdenklich gemacht. Die Situation hier in Japan zu beschreiben ist sehr schwierig. Es gibt so viele Probleme. Wohin mit dem Müll und Schrott, der vom Tsunami stammt? Man will aufräumen. Jedoch muss man zuerst wissen, wohin man gehen soll mit diesen «Aber-Tonnen Abfall», der teilweise radioaktiv ist. Niemand will ihn haben. Kannst du dir ausmalen, was wir unseren Nachkommen hinterlassen? Warum konnte nicht eine bessere «Menschenrasse» heranwachsen? Mit all den Religionen, den unzähligen Gurus und den vielen weisen Wahrheiten? Wieso erkennt der Mensch nicht Gott in allen Dingen und erlernt nicht die Ehrfurcht vor allem Leben? Vor der Natur und auch vor den Tieren? Vor wenigen Tagen waren wir in Fukushima, um dort einen Apfelbauern zu besuchen. Es handelt sich um ein Projekt, mit dem man den Bauern in dieser verseuchten Gegend helfen will. Dabei wird man Besitzer eines Apfelbaums. Die Bestimmungen für Radioaktivität sind nun sehr strikt, und die Lebensmittel werden alle untersucht und gemessen. Dies ist sehr gut so. Bis jetzt – ein Jahr nach Fukushima – ist nicht ein einziges Kind oder ein Tier missgebildet auf die Welt gekommen. Dies dank der «None-Zone-Abgrenzungen». Für die Geflüchteten ist sie jedoch ein grosses Leid. Ich beobachte, dass die Menschen durch diese Prüfung irgendwie besser geworden sind und hoffe, dass dieser Trend anhalten wird. Ebenso fest hoffe ich, dass wir vor einer weiteren Katastrophe verschont werden. So mein Liebes, heute ist «E-Mail-Tag», und ich hüpfe zu anderen Mails. Dir und allen lieben anderen Schwestern ganz, ganz herzlich Grüsse Elisabeth Liebe Elisabeth Herzlichen Dank für deinen Rundbrief, der uns viel von deinem Alltag zeigt. Mir scheint, dass die Jahre aus dir eine richtige Japanerin machten! Seit «Fukushima» ist mehr als ein Jahr vorbei. Diese Katastrophe hat die Natur tief verwundet. Wie ist das wohl bei den Menschen dort? Wir wissen alle, dass wir unsere Umwelt übernutzen. Warum ist es so schwierig, sich einzuschränken, zum Beispiel im Energieverbrauch? Ich wünschte mir, dass wir im Kloster in dieser Hinsicht vorbildlicher wären, z.B. beim Energie- und Wasserverbrauch. Welches ist das richtige Mass? Die richtige Raumtemperatur? Grosse Schritte wären nötig. Meist tun wir nur kleine. Aber wir geben nicht auf: Einiges konnten wir realisieren: Das Kloster und unsere ehemalige Schule werden neu nicht mehr mit Öl beheizt, und unsere zweite Photovoltaikanlage ist im Bau. Das stimmt mich wieder etwas hoffnungsvoller. Ich fahre nächste Woche nach Umbrien. In Perugia werde ich besonders an dich denken. Du weisst warum! Herzlich, Sr. Imelda

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