baldeggerjournal

15 Glauben & Beten schen, die wie selbstverständlich andere unterstützen oder begleiten, ihre Talente einsetzen und so ihr Umfeld bereichern. Wer lehrte dich glauben? Das Fundament haben sicher meine Eltern gelegt. Gott, der selbstverständlich zum Alltag gehörte. Sei es am Morgen durch ein kurzes Gebet, bei Tisch oder der sonntägliche Gottesdienstbesuch mit der Familie. Was bedeutet glauben? Maria von Magdala – meine Namenspatronin – wollte den Auferstandenen am Ostermorgen festhalten. Festhalten kann ich den Glauben nicht. Aber jeden Tag die Augen offen halten. Etwas vom Reichtum Gottes mit dem Herzen aufnehmen. Und die erfahrene Freude mit meinem Leben verkünden. Welche Farbe hat dein Glaube? Mein Glaube gewinnt an Farbenvielfalt durch das gemeinschaftliche Leben. Das Teilen und Austauschen von Freud und Leid, Erfahrungen und Werten. So wie aus zwei Farben, die man mischt, eine neue Farbe entstehen kann. Wer ist Gott für dich? Er ist der, der mir persönlich begegnen will. Dies hat auch viel mit meiner Bereitschaft zu tun, mich auf Gott einzulassen. Mir Zeit zu nehmen für das Verweilen vor Gott. Eine konkrete Erfahrung der Vorsehung Gottes? Warum bist du ins Kloster Baldegg eingetreten? Lebensfragen haben mich auf Gottes Spur geführt. Sein Wort in der Bibel wandelte sich mir vom Buch mit Siegeln zur lebensspendenden Quelle. Ich suchte Menschen, die den Glaubensweg mit mir unter die Füsse nehmen. Wo bist du daheim? Manchmal bin ich daheim, wenn ich still da bin. Hören kann, was Gott mir zur Stunde sagen will. Mitunter sind es die Menschen um mich. Oder eine momentane Situation. Und manchmal bin ich daheim, wenn ich die Beherztheit habe, aufzubrechen – zu Unbekanntem und Ungewissem. Ein Erlebnis aus der Kinder- und Jugendzeit, das dich prägte Ich besuchte als 16-Jährige einen Sprachaufenthalt in Fribourg bei Ordensschwestern. Mit Kolleginnen gab es einen Austausch, inwieweit wir bisher unsern Glauben gelebt haben. Die Tendenz war, sich im Unterbieten zu übertreffen. Ich selbst wagte nicht, Stellung zu beziehen, was mir wichtig und wertvoll ist. Die Auseinandersetzung mit meiner Feigheit hat mich «geheilt» für die Zukunft. Für mich ist Glauben heute ein Geschenk, das ich mit Klarheit zu leben versuche. Wer ist dir Vorbild? Es gibt viele Menschen, die mir Vorbild sind. Menschen, die sich freuen können über die Schönheit in der Natur. MenGlauben & Beten Ich denke die Vorsehung ist eher von stiller Natur. Der Psalm 139 drückt es in schlichter Weise so aus: «Herr du durchschaust mich, du kennst mich bis auf den Grund. Ob ich sitze oder stehe, du weißt es, du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe, du siehst mich; jeder Schritt den ich mache, ist dir bekannt.» Gibt es auch Zweifel? Wenn Zweifel, dann eher in die Richtung einer persönlichen Fragestellung: Wie lebe ich meinen Glauben und wo setze ich meine persönlichen Prioritäten im Alltag. Wie betest du? Manchmal meditiere ich etwas aus der Heiligen Schrift. Wovon meine Seele berührt wird, darüber spreche ich mich aus – mit Jesus. Welches Wort aus der Bibel begleitet dich durch das Leben? Je nach der konkreten Lebenssituation leitet mich das eine oder andere Wort. Etwa die Begegnung Jesu mit einer samaritischen Frau (Joh 4,14): «Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.» Zwei Dinge, die du den Menschen sagen möchtest? Wir sind zur Freiheit berufen. Diese Freiheit kann ich in Gott finden – und sie ist bereichernd und schön. Und auch: die Freude an Gott ist unsere Kraft – diese Erfahrung wünsche ich allen! Schwester Maria-Lena Kamber, 1964, aufgewachsen mit zwei Brüdern in Wangen b. Olten, Pflegeausbildung, Einsatz in Olten und Sursee. 1987 Eintritt ins Kloster Baldegg. Ab 1990 im ordenseigenen Pflegeheim in Baldegg als Stationsleiterin und seit 2011 zusätzlich als Oberin tätig.

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