baldeggerjournal

4 St. Antonius Hurden Ein Hospiz am See Zwei Jahre Zeit hat sich die St. AntoniusStiftung gegeben, um ein Sterbehospiz in Hurden zu realisieren. Sr. Marie-Ruth Ziegler hat den Stiftungsrat und die Hospizleiterin dazu befragt. Die Stiftung St. Antonius engagiert sich für behinderte Menschen, neu auch für Sterbende? Warum? Albin Fuchs, Stiftungspräsident: Der Stiftungszweck wird ja heute – im Gegensatz zur Zeit der Stiftungsgründung – zum grossen Teil vom Staat wahrgenommen. Durch den Wegzug einiger Baldegger Schwestern ist Platz frei geworden. Wir können ihn nicht durch Aufnahme von Behinderten kompensieren, da im Heim die Infrastruktur für zusätzliche Beschäftigungstherapie usw. ungenügend wäre. Der freiwerdende Raum gab uns Gelegenheit, den Stiftungszweck durch die Führung eines Sterbehospizes zu erweitern. Sr. Adrienne Amherd, Stiftungsrätin: Das Hospiz ist für mich die Antwort auf ein echtes Bedürfnis unserer Zeit. Hedy Jager, Stiftungsrätin: Die Idee eines Hospizes wurde sehr stark von den Schwestern von Baldegg in die Diskussion hineingetragen, und sie fand auch die volle Unterstützung der andern Mitglieder des Stiftungsrates. Es ist ein Projekt, das sehr viel Sinn macht, ein grosses Bedürfnis unserer Gesellschaft aufnimmt und so auch sehr zukunftsweisend sein kann. Das war natürlich motivierend und spannend zugleich. Sr. Thomas Scherer, Stiftungsrätin: Wir stehen mitten in einem gesellschaftlichen Umwälzungsprozess, der das Leben loslöst vom Geheimnis, das wir Schöpfung nennen. Geboren werden und sterben sind für mich die unantastbaren Geheimnisse Gottes. Als Gegensteuer zur aktiven Sterbehilfe konnte ich mich sofort hinter die Idee eines Sterbehospizes stellen. Einen Ort schaffen, wo Menschen in Würde ihr Leben dem Schöpfer zurückgeben können, gab uns die Kraft, die vielen Hürden zu bewältigen. Wie stehen die kantonalen Behörden zu dieser privaten Initiative? Albin Fuchs: Der Kanton arbeitet selber daran, die palliative Pflege auszubauen. Dass dies etwas mehr Zeit braucht als bei einem unkomplizierten und aktiven Stiftungsrat, ist verständlich. Die kantonalen Behörden haben unsere Initiative sehr begrüsst und unterstützt. Wir dürfen stolz sein, als Erste im Kanton ein kleines Sterbehospiz aufgebaut zu haben. Hürden beim Aufbau des Hospizes? Alfred Husistein, Stiftungsrat: Es brauchte doch einige Sitzungen bis wir alle Vorarbeiten für die Bewilligungen zusammengestellt hatten. Dann forderte es Durchhaltewillen, bis sie eintrafen. Man muss wissen, dass wir es in Hurden mit unterschiedlichen Kostenträgern zu tun haben. Für das Behindertenheim sind es die Kantone und die Angehörigen. Beim Hospiz sind es nebst den Hospizpatienten auch Sr. Marie-Ruth Ziegler, Baldegg Fragen an die Hospizleiterin Sr. Jolenda Elsener Du lebst neu mit sterbenden Menschen zusammen. Was heisst das für dich? Das Hospiz ist für mich eine Station der Gastfreundschaft auf der letzten Wegstrecke des Menschen in eine neue Existenz. Es ist für mich ein Geschenk, diesen Dienst tun zu dürfen. Mit einem sterbenden Menschen das letzte Stück Weg zu gehen sensibilisiert mich, bewusst und tief wahrzunehmen, dass wir Leben und Sterben aus Gottes Hand empfangen. Vieles was mir vorher wichtig war, wurde plötzlich relativiert. Ich empfinde meinen Alltag wesentlicher. Ich spüre mein eigenes Leben intensiver, weil ich mich mit dem Sterben der Menschen befasse. Ich glaube ja, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist. Schönes und Schwieriges? Miterleben wie ein Mensch bewusst, ruhig und in grossem Frieden in die göttliche Liebe hineingenommen wird, ist etwas Wunderbares. Wir Schwestern freuen uns, gemeinsam mit den Kranken, die ihnen noch geschenkte Zeit in einer familiären und heilenden Atmosphäre zu erleben. Die Ängste und den Schmerz der Sterbenden einfühlsam und echt mitzutragen und zu begleiten, erleben wir als nicht leicht. Ebenso, die Trauer der Angehörigen auszuhalten und die richtigen Worte zu finden. Daher ist es wichtig, dass wir Schwestern uns täglich darüber austauschen.

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