baldeggerjournal

6 Im Heim St. Antonius leben Herr Aebischer, können Sie sich unserer Leserschaft kurz vorstellen? Ich bin geboren am 24. April 1964, war 19 Jahre verheiratet und lebe jetzt geschieden. Es war eine schöne Zeit mit vielen guten Momenten. Die zwei schönsten waren, als meine beiden Töchter zur Welt kamen. Ornella 1987 und Valeria 1990. Bin sehr stolz auf meine Töchter. Meine Leidenschaft in all den Jahren war der Sport. Kunsturnen, Krafttraining, Tennis und Golf. Beruflich war ich in den letzten zehn Jahren in der Finanzbranche tätig. Bis zu meiner Erkrankung 2006 war ich sehr engagiert, vor allem sportlich. Ich bin sehr zielstrebig und ein eigentlicher Perfektionist. Bin sehr ideenreich und überrasche gerne meine Mitmenschen mit Geschenken. Ich habe ein ausgeprägtes Helfersyndrom und mache mir zu oft Gedanken, wie ich anderen helfen kann. Ich bin nicht nachtragend und kann niemandem lange böse sein. Manchmal bin ich wie auf glühenden Kohlen, ungeduldig und wenn ich eine Idee habe, dann kann ich nicht lange warten, sondern muss es gleich umsetzen. Sie leben im Heim St. Antonius in Hurden. Was bedeutet das Wort «Heim» für Sie? Ich kenne zwei Arten von «Heim». Heim bedeutet für mich, mit Menschen zu leben, wo Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit möglich und spürbar sind. Dieser Begriff Heim ist für mich durch nichts ersetzbar. Das andere «Heim» wo ich jetzt bin, ist das Heim St. Antonius. Hier begegne ich Menschen, Pflegern, Pflegerinnen und Therapeuten. Hier werde ich sehr gut betreut und gepflegt. Von der Lage her gibt es nichts Besseres. Aufgrund Ihrer Krankheit ALS sind Sie bereits von Februar 2010 bis Februar 2011 im Heim St. Antonius gewesen. Welche Erinnerungen haben Sie von diesem Jahr.? Die liebevolle Aufnahme von Sr. Jolenda. Durch nichts ersetzbar ist die wunderschöne Aussicht von meinem Zimmer aus. Dann entschlossen Sie sich, zu Ihren Eltern heimzukehren und kamen nach fünf Monaten wieder zurück. Warum? Hatten Sie Heimweh nach dem Heim St. Antonius? Heimweh ist dort, wo die Liebe meines Lebens ist. Der Zwischenstopp bei meinen Eltern war eine schöne Zeit. Ich musste realisieren, dass für meine körperliche Behinderung die Wohnung nicht geeignet ist. Heimweh nach Hurden? Nein, das kann ich so nicht sagen, weil mein Herz für meine Lieben schlägt, meine Familie und Freundin. Für meine Situation ist das Heim St. Antonius die beste Wahl. Ich glaube, es gibt keinen schöneren Platz in der Schweiz als das Heim in Hurden. Mein Elektro Rollstuhl bedeutet mir sehr viel. Mit ihm kann ich mich noch selbständig bewegen und so meine Lebensqualität verbessern. Ich bin schon einige Male mit dem Rollstuhl von Hurden nach Rapperswil gefahren. Wie geht der Weg für Sie weiter? Bedingt durch meine Krankheit will ich die Zeit, die mir noch bleibt, so angenehm wie möglich gestalten. Ich musste jedoch früh erkennen, dass dies nicht zu 100% möglich ist. Wer sich für die Krankheit ALS und für mein Leben mit der Krankheit interessiert, kann sich auf meine Hompage www. marcel-aebischer.com einloggen. Besonders freuen würde es mich, wenn Sie die ALS-Stiftung unterstützen. Denn die Medizin steckt bezüglich Erforschung der Krankheit ALS noch immer in den Kinderschuhen. Vielen Dank! St. Antonius Hurden

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