7 Ohne Abschied keine Heimkehr Vom Abschiednehmen 3. Juli 1991: An einem strahlend hellen Julisommertag wurden 23 Frauen der Klasse PLS 1986-1991 in Baldegg zu Primarlehrerinnen diplomiert. Nach der offiziellen Diplomübergabe in der Aula trafen wir uns zum Apéro im Innenhof unter dem Blauglockenblumenbaum. Gratulationen, ein Sich-Verabschieden, «wir sehen uns bestimmt bald wieder …».Als ich dann den letzten Koffer in mein Auto hievte, sangen die Schwestern gut hörbar im Haus St. Josef zeitgleich das Responsorium der Komplet: «Herr auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben.» Berührt und begleitet von diesen tiefsinnigen Worten brach ich von Baldegg, dem Ort, der mir über Jahre Heimat gewesen war, Menschen, die ich lieb gewonnen hatte hinter mich lassend, auf in die Zukunft oder mit Hesse sprechend: «Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andere, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.» Vom Heimkehren 20 Jahre später, 10. September 2011: Erneut bescherte uns der Himmel einen wunderschönen Sommertag. Wir kehrten zurück, ja, ein Stück weit kehrten wir wohl auch heim nach Baldegg, an den Ort, der uns in wichtigen Jahren unserer Persönlichkeitsentwicklung geprägt und geformt hat. Welch frohes Wiedersehen, als wir uns zur Mittagszeit im Klosterkafi zu Baldegg trafen um unser «20-Jähriges» zu feiern! Es war uns eine besondere Ehre, dass Sr. Hildegard, unsere ehemalige Seminarleiterin und Klassenlehrerin, explizit zu diesem Anlass von Hertenstein nach Baldegg kam. Auch mit einigen ehemaligen Lehrerinnen gab es ein Wiedersehen. Nach einem bekömmlichen Mittagessen im Klosterkafi brachen wir schliesslich nach Beinweil auf, wo wir uns aufs Schiff begaben und eine wunderschöne Fahrt auf dem Hallwilersee erlebten. Dabei bot sich reichlich Gelegenheit einander upzudaten, was denn in den vergangenen zwei Lebensjahrzehnten jede erlebt hat. Obschon sich etliche von uns seit 20 Jahren nicht mehr gesehen haben, war in Kürze wieder eine grosse Vertrautheit spürbar, auch da kehrten wir zu einander heim. Ja, wir sind alle zwanzig Jahre älter geworden. In dieser Zeitspanne hatte viel Platz: Einige von uns sind noch immer im Schuldienst, etliche haben geheiratet und wurden mit zahlreichem Nachwuchs gesegnet, andere haben weiter studiert. So gibt es unter uns nebst Lehrerinnen und Müttern auch Heilpädagoginnen, Psychomotoriktherapeutinnen, eine Betriebswirtschafterin und eine Psychotherapeutin und Theologin. Wir haben etwas gemacht aus unserem Leben. In Baldegg wurde ein gutes Fundament gelegt – und auf diesen Grundlagen haben wir weiter gebaut. Jede einzelne von uns nimmt ihre Gestaltungsfreiheit und ihre Gestaltungsverantwortung wahr in dieser Welt, die ganzheitliche Förderung während unserer Semizeit bringt heute reichlich Frucht. Vom Abschiednehmen und Heimkehren in unsere eigenen Lebenswelten Nach einem reichhaltigen Abendessen in Beinwil, herzlichen Begegnungen und abwechslungsreichen Gesprächen, brachen wir schliesslich zu später Stunde glücklich und beschenkt auf und kehrten heim in unsere unterschiedlichen Lebenswelten und – um nochmals mit Hesse zu sprechen: «Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden … Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!» Judith Köppel, Reichenburg Die ehemalige Baldegger Seminaristin Judith Köppel ist heute als Psychotherapeutin SPV/ Atemtherapeutin IKP in eigener Praxis in Zürich tätig. Klosterherberge
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