baldeggerjournal

11 sei tot. Aber am folgenden Tag reiste er mit Barnabas weiter nach Derbe, wo sie viele Menschen als Jünger und Jüngerinnen Jesu gewinnen konnten (Apostelgeschichte 14,19-21). Nach einiger Zeit traten Barnabas und Paulus die Rückreise an. Dabei suchten sie – jetzt in umgekehrter Reihenfolge – jene Gemeinden wieder auf, die sie auf dem Hinweg besucht und gegründet hatten. Überall war es für sie wie ein Heimkommen: Überall machten sie den Christinnen und Christen Mut und ermahnten sie, unbeirrt am Glauben festzuhalten (14,22). Bestimmt erzählten sie dabei auch von ihren eigenen Erfahrungen, die sie in den einzelnen Gemeinden gemacht hatten, von den positiven wie auch von den negativen; denn so viel hatten sie gelernt – auch von Jesus gelernt: Nachfolge und Verkündigung des Evangeliums gibt es nicht zum Nulltarif (14,23). Durch diese Besuche konnten Barnabas und Paulus die Leute nicht nur in ihrem Glauben festigen und die gegenseitigen Beziehungen vertiefen; sie schufen auch so etwas wie stabile Gemeinschaften – man nannte sie bald schon «Gemeinden» oder «Kirchen» – und bauten so ein ganzes Netzwerk auf, was für das Werden der einen, umfassenden Kirche, zu der Menschen aus allen Völkern und Religionen zugelassen sind, von grosser Bedeutung war. Die «Heimkehr» Schliesslich kehrten sie wieder nach Antiochia zurück, dem Ausgangspunkt ihrer Reise; die dortige christliche Gemeinde hatte sie ja auch auf den Weg geschickt. Das heisst: Die beiden kehrten wieder heim, wie es die Notiz des Lukas nahelegt: Nach ihrer Ankunft riefen sie die ganze Gemeinde zusammen und berichteten, was Gott alles durch sie getan hatte und dass er den Menschen, die nicht der jüdischen Gemeinschaft angehörten, die Tür zum Glauben geöffnet habe. Paulus und Barnabas blieben nun für längere Zeit bei den Brüdern und Schwestern in Antiochia (14,27-28). So schliesst sich für die beiden der Bogen: Anlässlich eines geisterfüllten Gemeindegottesdienstes erhielten sie einen besonderen Auftrag, führten diesen dann auch aus und kehrten danach wieder zur Gemeinde zurück. Aufbrechen und Heimkehren sollten wir also nicht auseinanderdividieren. Aufbrechen und Heimkehren und auch all das, was dazwischen liegt, gehören zusammen und zeugen von vielfältigem Leben. Wieder «daheim», in Antiochia, erzählten sie ihren Brüdern und Schwestern von all dem, was sie erfahren hatten, was Gott alles durch sie getan hatte und liessen so ihre Geschwister an dem, was geschehen war, teilnehmen. Diese machten sich die Erfahrungen der beiden Missionare Schon seit vielen Jahren gehört Hermann-Josef Venetz zu den regelmässigen Exerzitienleitern im Kloster Baldegg. 1975–2003 war er ordentlicher Professor für neutestamentliche Exegese und Theologie an der Theologischen Fakultät der Uni Freiburg i.Ue. Sein besonderes Forschungsinteresse gilt der Gestalt des Paulus, der neutestamentlichen Ekklesiologie und der sozialgeschichtlichen Exegese. zu eigen. Sie ratifizierten gewissermassen deren Arbeit und öffneten sich so selbst für die besondere Aufgabe, zu der sich jetzt die ganze Gemeinde vom Heiligen Geist berufen sah. Wir haben es hier mit einer «Heimkehr» zu tun, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die «Brüder und Schwestern», die antiochenische Gemeinde, wurde so selbst zur Zeugin und Anwältin des «neuen Weges», der jetzt für alle Messiasgläubigen offen stehen soll: das Evangelium unterschiedslos allen Völkern zu verkünden, was dann im so genannten Apostelkonzil auch feierlich beschlossen wurde (Apostelgeschichte 15). Die Heimkehr nach Antiochia setzte so etwas wie den Grundstein zu der einen Kirche, zu der unterschiedslos alle Menschen Zugang finden können.

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