12 Daheimsein auf verschiedenen Kontinenten Sr. M. Martine Rosenberg Schwester Agnes ist Tanzanierin und Schweizerin. Ihre Jugend hat sie bei den Baldegger Schwestern in Dar es Salaam verbracht, die dort seit 1921 im Missionseinsatz wirken. Sie wurde zur Lehrerin ausgebildet und kam 1962 in die Schweiz, um sich der Ordensgemeinschaft der Baldegger Schwestern anzuschliessen. Über dreissig Jahre lang unterrichtete sie an der Schule Baldegg Englisch. Mit viel Engagement und Liebe steckte sie ihre Schülerinnen in der Schweiz mit ihrer Freude an der englischen Sprache an. Beim Übergang der Schule vom Kloster an den Kanton Luzern war Schwester Agnes immer noch motiviert, sich für die Jugend einzusetzen. So stellte sie sich im Jahr 2004 für einen Einsatz in Tanzania zur Verfügung. Ist das für dich heimkehren? «Heimkehren kann ich nicht sagen. Daheim ist für mich auch die Schweiz. Den grössten Teil meines Lebens habe ich in der Schweiz verbracht. Doch die Freude, nun noch einmal ganz in Tanzania zu sein, ist sehr gross. Ich habe es hier mit offenen, frohen, dankbaren und wissensdurstigen jungen Menschen und Schwestern zu tun, die mir sogar treuherzig gestehen, dass sie auch so werden möchten wie ich bin . Die Voraussetzungen für den Unterricht sind ganz anders als in der Schweiz. Wir haben Mangel an allem, sogar an Nahrung. Darum sind die Schülerinnen oft müde und unkonzentriert. Sie können sich auch nicht an die Zeit halten, weil sie keine Uhren besitzen. Eine Art Heimkehren war und ist es für mich schon, in das vertraute Leben meiner Jugend.» Für die Familienangehörigen von Schwester Agnes war ihre Rückkehr nach Tanzania ein nie erwartetes und richtiges Heimkommen. Ihre 90-jährige Mutter lebte noch, und als sie starb, konnte Schwester Agnes an der Beerdigung teilnehmen. Ihre Schwägerin hat sich in Mbingu angesiedelt, dort wo Schwester Agnes bei den einheimischen Schwestern lebt und an deren Internatsschule unterrichtet. Den jüngsten Sohn und das Grosskind hat sie bei sich.An der Schule kann sie als Köchin arbeiten. So ist Schwester Agnes ein Stück weit in ihre Familie heimgekehrt und von ihr umgeben. Sie wird aber auch hautnah mit allen Familienproblemen konfrontiert Schwester Agnes ist auch in ihre Muttersprache heimgekehrt, ins Kiswahili. Während des langen Europa-Aufenthaltes hat sie regelmässig in dieser Sprache gelesen, um einigermassen drin zu bleiben. Es ist ihr gelungen. Sie unterrichtet zwar in Englisch, erklärt aber hie und da auf Kiswahili. Ab und zu wird sie von den Schülerinnen korrigiert, weil sich die Sprache weiter entwickelt hat. Mit grossem Engagement steht Schwester Agnes in ihrem Schulprojekt. Es ist ein kleines Bildungsprojekt, das sich in den letzten sechs Jahren von einem Angebot für Erwachsene, die ihre Schulbildung nachholen wollten, zu einer von der Regierung anerkannten privaten Sekundarschule entwickelt hat. Auf kleinstem Raum werden bereits 160 Schülerinnen unterrichtet, die zu einem grossen Teil auch dort wohnen unter Verhältnissen, die für uns unvorstellbar sind. Die Schule hat einen guten Ruf, sie wächst und wächst, die Schülerinnen kommen von weit her, auch von anderen Regionen des Landes. Sie nehmen alles auf sich, um zu Bildung zu kommen. Und die Schwestern Baldegger Missionen Schwester Agnes ist heimgekehrt. Heisst das, dass sie nach Tanzania zurückgekehrt ist oder von Tanzania in die Schweiz gekommen, oder gibt es für sie ein Heimkehren auf beide Seiten?
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