13 tun alles, um auch arme Kinder aufnehmen zu können. Mit grosser Freude ist Schwester Agnes im Jahr 2011 zum zweiten Mal in den Heimaturlaub gekommen. Es war für sie eine Heimkehr in die wohltuende Stille des Klosters, an den vertrauten Ort von früher. Sie fühlte sich ausgelaugt und müde. «In Baldegg konnte ich ruhen. Ich konnte sprechen, mich aussprechen. Ich konnte beten, ohne ständig gestört zu werden. Ich bekam Distanz und neue Kraft. Ich habe mich auch bemüht, meine arme aber so notwendige und geschätzte Mädchensekundarschule von Mbingu vorzustellen und bekannt zu machen, um Unterstützung zu bekommen. Wir brauchen Klassenzimmer und Schlafräume, wir brauchen Hilfe in jeder Beziehung.» «Wo fühlst du dich mehr daheim, in der Schweiz oder in Afrika?», habe ich Schwester Agnes gefragt. «Ich fühle mich dort daheim, wo ich bin. Das ist mein Daheim für die jeweilige Zeit, und hier erfülle ich meine Aufgabe so gut als möglich. Diese Haltung habe ich lernen müssen. Heimkehren und Daheimsein bedeutet für mich vor allem auch angenommen und verstanden werden.» Die andern zwanzig Baldegger Schwestern, die sich in Tanzania, Papua Neuguinea, Äthiopien und Bosnien einsetzen, sind Schweizerinnen aus verschiedenen Kantonen. Auch sie kehren gerne heim in die Schweiz, gehen aber ebenso gerne wieder heim an ihren fernen Arbeitsort. Wer in Afrika oder Papua Neuguinea gelebt hat, trägt für immer ein leises Heimweh im Herzen nach dem so ganz Andern, dem Einfachen und Armseligen, der Freude am unerwarteten Funktionieren von Wasser und Strom, den tiefen menschlichen Werten … Im Kloster Baldegg gibt es während der drei Sommermonate noch andere Heimkehrerinnen. Es sind Schwestern aus verschiedenen afrikanischen Ländern, die in Rom studieren, um sich nachher für die Mitmenschen in ihrer Heimat einzusetzen. Sie sind an verschiedenen Universitäten eingeschrieben, belegen verschiedene Studienrichtungen, wohnen in verschiedenen Foyers und haben eine unterschiedlich lange Studienzeit vor sich. Gemeinsam sind ihnen ein tiefer Glaube, das Ordensleben, die materielle Armut, die Erfahrung unserer ganz anderen Kultur, eine gewisse Einsamkeit in Rom, der ständige Kampf ums Überleben und die Frage, wo sie von ungefähr Mitte Juni bis Mitte September sein und durch Arbeit etwas Geld verdienen zu können. Jedes Jahr nehmen wir zehn solche Schwestern-Studentinnen bei uns auf. Sie helfen im Mutterhaus und im Pflegeheim mit und haben auch Zeit zum Studieren und sich Erholen. Es ist beglückend zu erleben, wie dankbar sie für die Zeit in unserem Kloster sind, wie stärkend sie die Gebetsgemeinschaft erleben und wie angenommen und zur Gemeinschaft gehörend sie sich fühlen. Im folgenden Sommer ist die Reise nach Baldegg für sie bereits ein Heimkehren. Wer hier war, darf wieder kommen bis zum Studienabschluss. Dann aber erfolgt die wirkliche Heimkehr in ihr Land. Sie freuen sich jeweils sehr darauf und sind motiviert für einen Einsatz mit all ihrem Wissen und all ihren Kräften zum Wohl der Menschen in ihrer afrikanischen Heimat. Heimkehren geht selten nur in eine einzige Richtung. Es gibt ein vorübergehendes Heimkehren an Orte, die uns lieb und vertraut sind und zu Menschen, bei denen wir uns angenommen und verstanden fühlen. Erst am Ende unseres Lebens ist die Heimkehr eindeutig und endgültig: das Heimkehren zu Gott.
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