8 Kloster Baldegg «Blickt auf zum Herrn und euer Gesicht wird leuchten.» An diese Worte aus dem Psalm 34 dachte ich immer wieder in den Tagen, die ich mit Behinderten in Lourdes erleben durfte. Seit langem sah ich nicht mehr so viele strahlende Gesichter. Es hat mich tief berührt, wie Menschen mit Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht aufblickten zu Gott, von dem sie Hilfe ersehnten. Ich las in ihren Augen auch den Wunsch, von Maria angeschaut zu werden, die alle Sorgen hinträgt zu Jesus, und ihre mütterliche Liebe zu spüren. In Lourdes begegnet uns das Leiden unzähliger Menschen. Viele tragen ein schweres Kreuz. Im Hinschauen auf das Kreuz Jesu erfahren sie Kraft und Trost. Jesu Liebe galt vor allem den Kranken und Behinderten, den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. In Lourdes sind sie die Bevorzugten. Sie haben ein Ansehen, Mit den Augen des Herzens Sr. Silja Richle, Baldegg sie werden beachtet, mit wohlwollendem Blick wahrgenommen, mit Aufmerksamkeit umsorgt. Die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer begegnen ihnen mit Herzlichkeit und Wertschätzung und sind ganz für sie da. Wirkt solche liebevolle Zuwendung nicht heilend? Die wahren Wunder geschehen in mitmenschlichen Begegnungen, wenn uns die Augen des Herzens aufgehen, und im Dienst aneinander. Dann erfahren sich Gesunde und Kranke als Gebende und Empfangende. Das Kreuz wird leichter, wenn jemand es mit uns trägt. Die Freude wird grösser, wenn jemand sie mit uns teilt. Freude erlebten wir auch im gemeinsamen Feiern unseres Glaubens in den festlichen Gottesdiensten, im Beten und Singen, im anbetenden Schweigen, im Schreiten bei den Prozessionen zusammen mit Menschen aus aller Welt. Tausende Kerzen wurden in der Dunkelheit erhoben, wenn freudig das «Ave, ave, ave Maria» erklang. Wie schön sind da die vom Licht erleuchteten Gesichter! Unser Bischof Felix erinnerte uns in seinen Predigten daran, dass wir viel lernen können von den Kranken. Sie sind eine Bereicherung für die Gesunden. Wir erfahren von Kranken, wie schön unser Glaube sein kann und wie er Trost spendet. In der Krankheit sind wir von der Liebe Gottes umarmt. Wir dürfen die Frische seiner Liebe spüren. – Auch über seine Grösse staunte und schmunzelte ich, als ich auf dem T-Shirt eines Pilgers las: «Gottes Liebe ist XXXL»! Ich habe in diesen Tagen wieder gelernt, den Blick offen zu halten für Gottes Gegenwart. Gott schaut uns fast unmittelbar an in den Augen unserer Mitmenschen. Das hilft uns hinzuschauen – nicht wegzuschauen – wo ein Mensch unsere Hilfe braucht, hinzuschauen auch auf die kostbaren Gaben, auf das «Gramm Gold» in jedem Menschen, hinzuschauen auch auf das Licht in allen Dingen. Das «Geheimnis des Glaubens» wird sichtbar im Gottesdienst und im vorbehaltlosen Dienst am Nächsten. Dankbar schaue ich nochmals auf viele leuchtende Gesichter von Kranken und Behinderten. Gottes Segen ruht auf ihnen. Gesegnet sein, heisst das nicht: Gott schaut uns an mit seinem liebevollen Blick, der unsere Herzen und Augen öffnet? Hinschauen auf das Geheimnis von Lourdes
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