9 Auch das gibt es! Auch junge Menschen tun es. Und zu den vom Alter gezeichneten Ordensfrauen gehört es, das Hinschauen auf Gott. Überall auf der weiten Erde leben Menschen, die ihre Gedanken und Worte, ihr Schweigen, ihr inneres und äusseres Leben ganz auf Gott ausrichten. Kontemplation kann man diesen Weg und dieses Eins-Sein mit Gott nennen. Ein inneres Beten, ein Vertrautsein mit Jesus, das durch nichts Äusserliches unterbrochen wird. Das anbetende Stillsein vor Gott, das Hinschauen auf Gott, die Hinwendung zu Gott gehört zu unserem Leben im Kloster. Es hat aber auch eine tragende Bedeutung bei den dreissig bis vierzig jungen Menschen in Bourguillon. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern und verbringen hier gemeinsam ein Jahr ihres Lebens. Im Haus von uns Baldegger Schwestern lassen sie sich durch das «Institut Philanthropos» (www.phiIm Anschauen verwandelt werden Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg lanthropos.org) eine ganzheitliche Bildung auf universitärer Ebene schenken, um den Sinn ihres Lebens besser zu verstehen. Sie werden intellektuell herausgefordert und üben sich im gemeinschaftlichen und im religiösen Leben, in einem vertrauensvollen Umgang mit Gott und untereinander. Zur Gemeinschaft der Baldegger Schwestern in Bourguillon gehörte seit über 50 Jahren auch Schwester Marie-Madeleine. Als 90-Jährige ist sie nun nach Baldegg zurückgekehrt. Sie hatte eine besonders lebendige Beziehung zu den jugendlichen Studentinnen und Studenten. Mit Begeisterung und innerer Ergriffenheit erzählt sie von ihnen, vor allem von der täglichen Zeit der Anbetung Gottes in der Eucharistie. «Immer wieder kommen diese jungen Menschen in die Kapelle, sitzen oder knien auf den Boden, verweilen eine Stunde oder ein paar Minuten, schauen auf Jesus Christus in der Hostie und lassen sich von ihm anschauen. Sie sind voller Ehrfurcht, Liebe und Vertrauen. Ich habe mich ihnen jeden Tag mit Freude zu einer Anbetungsstunde angeschlossen … Dabei entsteht eine wortlose tiefe Verbundenheit mit Gott und untereinander. Man lernt einander kennen, ohne zu sprechen. Man erahnt oder spürt die innere Verfassung voneinander, ohne sie in Worte kleiden zu müssen. Mich hat die jugendliche Begeisterung für das Gute und Schöne, für Gott und die Welt fasziniert. Diese Studierenden mit so unterschiedlichen Talenten, verschiedenster Herkunft, oft mit einer unauslöschlichen Erfahrung der Bekehrung vom Unglauben zum Glauben, haben mich im Alltag gestärkt und zum Verweilen vor Gott und in Gott angespornt. Die jungen Menschen sind ganz unkompliziert, respektvoll und herzlich auf mich zugekommen. Sie sagten, ich sei für sie ein lebendiges Beispiel von lebenslanger Hingabe und Treue. So haben wir einander gegenseitig bereichert, in der Beziehung zu Gott und untereinander.» Schwester Marie-Madeleine vermisst die jungen motivierten Gottsuchenden. Es ist für sie aber ein Trost zu wissen, dass sich bei der Anbetung Gottes die verschiedensten Welten zusammenfinden, einander nahe sind und sich gegenseitig stärken. Darum erfährt sie im Hinschauen auf Jesus und beim Verweilen in seiner Gegenwart eine so tiefe Verbundenheit mit den Menschen, die nur Gott schenken kann.
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