baldeggerjournal

10 Kloster Baldegg Sympathisch und ihrer Sache ganz sicher. So stand die junge Filmemacherin vor uns. Mit dem unwiderstehlichen Charme einer Österreicherin skizzierte Valerie Gudenus ihr Projekt und schaute uns dabei unbeirrt mit ihren mädchenhaft verträumten Augen an. Als filmischen Schauplatz hatte sie sich das Pflegeheim des Klosters Baldegg ausgesucht. Im Dialog und im nonverbalen Umgang wolle sie die Beziehung zwischen einer jüngeren und älteren Schwester erforschen. Aber auch die Kontraste zwischen Aktivität und Ruhe ins Bild bringen. Dieser ersten kurzen Begegnung folgten einige lange Tage für Sr. Rita-Maria, Sr. Triphosa und Sr. Canisia, die im Filmprojekt mitwirkten. Intensiv und lang waren die Tage ebenso für die Regisseurin, Frau Gudenus, Pierre Bernard als Kameramann und den Toningenieur Manuel Weber. Für unsere Leserschaft haben wir mit der jungen Filmerin ein Interview gemacht. Frau Gudenus, hinschauen ist Ihr Beruf. Was bedeutet «Schauen» für Sie? Zeigen, was sie so noch nie gesehen haben Das Schauen bedeutet für mich etwas wahrzunehmen, wach zu sein, etwas oder jemandem Aufmerksamkeit schenken. Das ist aber kein passiver Vorgang. Im Gegenteil, man beteiligt sich ganz aktiv daran, sich etwas Neuem gegenüber zu öffnen. Für mich bedeutet es vor allem, an etwas teilzunehmen und in Verbindung mit dem zu stehen, den ich anschaue. Beim Film ist das ähnlich, denn es gibt kein passives Filmemachen. Sobald ich die Kamera auf etwas richte, gibt es einen Austausch zwischen dem, der schaut und demjenigen, dem zugeschaut wird. Dieses Verhältnis ist spannend, fragil und ist im Idealfall von gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt. Im Kino werden die Leute zu Zuschauern. Genügt das? Ich glaube, dass es überhaupt nicht möglich ist, einem Film einfach nur zuzuschauen. Jeder Mensch produziert in jeder Sekunde des «Schauens» hunderte eigene Gedanken, Bilder und Assoziationen. So geschieht es, dass auch jeder individuelle Zuschauer ein anderes Filmerlebnis hat. Das ist etwas, das ich als Filmemacherin sehr schätze, denn ich will, dass der Zuschauer sich selber Gedanken zum Gesehenen macht und etwas davon in sich mitnimmt. Es ist mir wichtig, dass ich den Zuschauern etwas mit auf den Weg geben kann. Ich möchte ihnen etwas zeigen, das sie so noch nie gesehen haben, oder ihnen etwas zum Nachdenken geben, über das sie noch nie so gedacht haben. Warum einen Dokumentarfilm in einem klösterlichen Pflegeheim? Ich habe mit jedem Filmprojekt die Erwartung an mich selbst, von einem Ort, einem Thema und von Personen zu lernen. Ich möchte mich mit Dingen beschäftigen, die mir fremd sind, und mich durch die Beobachtungen, die ich mache, dieser «Fremde» nähern. Obwohl ich in einem Klosterkindergarten und in einer Klosterschule war, konnte ich mir unter dem Klosterleben nichts vorstellen. Die Schwestern in diesen InsKameramann Pierre Bernard filmt im Pflegeheim Baldegg

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