11 titutionen kamen mir zu Beginn vor, wie Wesen von einem anderen Planeten. Später, und eigentlich bis heute, entsprachen sie einfach einem vollkommen anderen Lebensmodell. Ich bin immer wieder zufällig auf Zeitungsartikel über Klöster Europas gestossen und habe festgestellt, dass es dabei hauptsächlich um die Überalterungsproblematik und den fehlenden Neuzugang geht. Das hat mich immer wieder berührt, und diesem Gefühl musste ich nachgehen. Als ich in die Schweiz kam, erzählte mir ein befreundeter Kapuziner Bruder vom Kloster Baldegg und meinte, dass man mir dort bestimmt mit Offenheit begegnen würde, und das stimmte auch. Als ich die Chance bekam, durch meinen Studiengang ein kleines Projekt auf die Beine zu stellen, wusste ich sofort, was ich machen wollte. Das Kloster Baldegg hatte für mich alle Aspekte, die mich am Klosteralltag faszinierten: Der Kontrast zwischen traditionellen Strukturen und der Modernität der heutigen Welt, die Vereinigung von Ruhe und Gebet mit Aktivität und Arbeit, und schliesslich auch das Kämpfen mit den Realitäten der Überalterung und die bestehende Menschlichkeit und Aufopferung unter den Schwestern. Das Pflegeheim speziell war eine Verdichtung dieser Elemente und mit all den wunderbaren Personen darin unglaublich bereichernd für uns alle. Erzählen Sie uns etwas von den Bildern, die Sie nach drei Filmtagen in sich tragen? Das Filmen im Pflegeheim war nicht nur eine schöne und wichtige Erfahrung, sondern hat uns vor allem auch überrascht. Wenn man sich das Klosterleben vorstellt, dann denkt man an Inaktivität, Meditation und Stille. Obwohl wir auch solche Situationen fanden, zeigte uns Sr. Rita-Maria ein neues Bild, jenseits der Klischees. Während wir versuchten, ihrem Alltag nachzuhasten, um ihn filmisch einzufangen, mussten wir einsehen, dass das Klosterleben es in sich hat. Von früh bis spät gab es etwas zu tun, und daher auch für uns etwas zu filmen. Am Abend fielen wir erschöpft in unsere Betten und fragten uns, wie das jeden Tag durchzuhalten ist, und noch dazu mit einem Lächeln und einem lustigen Spruch auf den Lippen. Auch die Patientinnen im Pflegeheim haben mich beeindruckt. Denn die eigene Vergänglichkeit und die Hilfe einer Mitschwester anzunehmen, stelle ich mir sehr schwierig vor. In Gesprächen mit Sr. Canisia über frühere Zeiten und über Veränderungen bekamen wir Einblicke in unterschiedliche Aspekte des Klosterlebens. Gibt es für Sie ein unvergessliches Bild? Als wir am Morgen des dritten Tages abreisen wollten, verstarb Schwester Ignatia ganz unerwartet. Ich werde das Bild Valerie Gudenus, 1984, studierte an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Grafik Design und Werbung und wechselte dann zum Filmemachen. Heute ist sie Studentin an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie den Studiengang Master in Film belegt. Valerie Gudenus realisierte 2010 den Dokumentarfilm «I am Jesus» (www.iamjesusmovie.com). Ihr nächster Dokumentarfilm beschäftigt sich mit dem Thema «Leihmütter in Indien». «Ich möchte in einem filmischen Essay den Spannungsbogen zwischen der heutigen Welt und der von Traditionen geprägten Lebensweise im Kloster darstellen. Ausserdem geht es mir um zwischenmenschliche Beziehungen und den Umgang der verschiedenen Generationen miteinander.» nie vergessen, als sich Sr. Triphosa von ihr in der Aufbahrung verabschiedete. Dieses Bild sagte so viel aus über die Freundschaften im Kloster, das Loslassen müssen und das Trauern, aber auch den Umgang mit einem Alltag, in dem das Sterben dazugehört. Mich hat dieser Moment sehr berührt, und ich bin dankbar, dass wir daran teilnehmen durften. Über welche Bilder sollten wir Schwestern austauschen? Ein Bild ist mir geblieben als wir ein Gespräch zwischen Sr. Rita-Maria und Sr. Canisia filmten. Sr. Rita-Maria sagte, dass sie sich eigentlich öfter Zeit für ein langes Gespräche mit einer Patientin nehmen möchte, um über die Zukunft des Klosters zu sprechen. Gerade der Austausch zwischen den Generationen, innerhalb und auch ausserhalb des Klosters, scheint mir ein wichtiger Bestandteil in der Auseinandersetzung mit der Zukunft zu sein. Interview Sr. Marie-Ruth Ziegler
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