12 Klosterherberge «Herr Pater, Sie haben wunderbar gespielt …»; eigentlich habe ich gepredigt und hinterher – wie ich das gelegentlich tue – zur Meditation mit der Geige gespielt; aber offenbar hat wieder einmal das «Sentimento» die Logik des gesprochenen Wortes überholt und auf Platz zwei verwiesen; wie kann es sonst passieren, dass da eine Mitfeiernde sich nur noch an die Geige erinnert und nicht mehr an den Prediger mit seinen Worten und Gesten? Eine Erklärung wäre fällig Zweifelsfrei stellen wir fest: Musik kann uns direkter und nachhaltiger beeinflussen als die Logik des gesprochenen Wortes, obwohl die Musik wahrscheinlich in der Sprache ihre Wurzeln hat und als Rhythmus und Melodie auch in der Sprache erkennbar ist. Rhythmisch organisierte Geräusche und Klänge treffen uns Menschen unmittelbar in unserem emotionalen Zentrum. «Treffen» meint die Assonanz zwischen der gebotenen Musik und den in uns grundgelegten VerKann Musik trösten? Br. Bernardin Heimgartner OFMCap., Baldegg anlagungen. Es kommt zu einer Übereinstimmung der Schwingungen, zu einem Gleichklang. So wird das Auditorium zu einem erweiterten Instrument der Musizierenden, oder anders gesagt: Das Auditorium benötigt die Musizierenden, um zu erfahren oder zu zeigen, was in ihm selber steckt. Gut und böse Musik an und für sich ist weder böse noch gut; sie ist ein Medium, das zum Guten oder zum Bösen führt. «Musenpriestertum» ist eine zwar wohlmeinende, jedoch unpassende – weil allzu kurzschlüssige – Bezeichnung. Kann Musik trösten? Trost verlangt Empathie, Mitgefühl oder Anteilnahme. Trost setzt voraus, dass die Trost-Suchenden ihr volles Vertrauen auf die Tröstenden setzen, und dass diese wirklich Trost und Hilfe spenden wollen. Nicht immer sind diese beiden Bedingungen in unseren musikalischen Darbietungen erfüllt. Denken Sie an den «Klapperdürren Fiedelmann» des Gustav Falke (1853 – 1916). Das Gedicht heisst: «Die zierliche Geige». Es führt über sechs Strophen zur Katastrophe. Überall dort, wo der Fiedelmann auftritt, segnet jemand das Zeitliche. Musik im liturgischen Raum Musik und Gesang gehören zur Liturgie. Sie sorgen für den Transfer der Feiernden ins Land des Hintergründigen und Numinosen. Es ist erlaubt und möglich, musikalische Darbietungen mit passenden Texten als Gottesdienste zu gestalten. Seit bald zwei Jahren wird in der Kapelle des Mutterhauses Baldegg monatlich ein musikalisches Nachtgebet angeboten. Zum bereits praktizierten monatlichen Taizé-Nachtgebet ist dies als eine Ergänzung gedacht. Der Erfolg wird von der passenden musikalischen Auswahl, von der kompetenten Darbietung und von der Bereitschaft der Mitfeiernden abhängen. Tragt Sorge zu den Musikern Vor mehreren Jahren machte mir eine Kirchgängerin Vorhaltungen, weil ich nun schon zweimal als «der Geigenpater» ins Dorf gekommen sei, ohne im Gottesdienst die Geige zu spielen. Es wird wohl so sein, dass Männer und Frauen, die sich dafür eignen und eine nötige Ausbildung genossen haben, quasi verpflichtet sind, durch ihr Musizieren den Leuten Trost und Lebenshilfe zu spenden, und dass die Leute gleichsam ein Recht auf «ihre» Musik haben. In Afrika wird deshalb der Trommler innerhalb der Dorfgemeinschaft als ein wichtiger Amtsträger verpflichtet und auch umsorgt. So wird sich auch in unserer Gesellschaft jede Generation um ihre eigenen Tröster und Trösterinnen bemühen müssen. Musikalisches Nachtgebet Immer am zweiten Freitag des Monats um 20.00 Uhr laden wir Sie zum «Musikalischen Nachtgebet» in die Kapelle des Mutterhauses des Klosters Baldegg ein. Mit Musik und Texten verweilen wir vor Gott. Auf diese Weise geben wir Gott den Tag vertrauensvoll zurück. Das Klosterkafi ist nach dem Nachtgebet bis um 22.00 Uhr geöffnet. Sr. Renata Geiger, Sr. Silja Richle, Br. Bernardin Heimgartner
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