4 Flucht aus dem Kloster? Kloster Baldegg Sr. Marie-Elisabeth Sollberger lebt heute als Kapuzinerin im Kloster St. Klara in Stans Mit 22 Jahren legte ich im Kloster Baldegg die Erstprofess ab. Die Aufgaben mit Kindern füllten mich aus und bereicherten mein Leben als Ordensfrau. Doch nach 20 Ordensjahren meldete sich die noch nicht verarbeitete Kindheit. Ich spürte, dass ich die komplizierten Jahre meiner Jugend nicht im Kloster bereinigen konnte, dass dies in einem anderen Umfeld geschehen musste. Ich trat aus dem Orden aus. Nach elf Jahren vernahm ich erneut den Ruf Gottes. Von alten Lasten befreit, drängte es mich, das Ordensleben erneut zu wagen. Im Kloster St. Klara in Stans fand ich dazu den Ort. Jetzt fühlte ich mich freier, ganz für Gott und die Menschen da zu sein. In der zweiten Lebenshälfte war es mir nun auch weniger wichtig, meinen einstigen Beruf ausüben zu können. Rückblickend darf ich sagen, dass Gott mir in jeder Lebenssituation das schenkte, was für mich gut war: In Baldegg erlebte ich die eher aktive Phase im Beruf. Im Kloster St. Klara liegt schwerpunktmässig das Dasein für Gott und für die Ordensgemeinschaft im Vordergrund. Beide Klöster schenkten und verleihen meinem Leben tiefen Sinn. Sr. Luzia Jerusalem leitet heute als Priorin den Karmel in San Remo, Italien Ist Kloster nicht Kloster? Ist Musik nicht Musik? Doch, sicher! Ist Flötenspiel nicht Harfenspiel? Nein, sicher nicht! Und doch ist beides Musik. Nicht nur: beide können zum gleichen Orchester gehören und die gleichen Noten spielen. Der Unterschied steckt im Instrument. Mein Leben in Baldegg war Musik. Mein Leben im Karmel ist Musik. Der Unterschied steckt im Instrument. Es ist, als hätte mir der Musikmeister ein für mich geeigneteres Instrument anvertraut, um seine Melodie nach seinem Wunsch zu spielen. Baldegg bleibt tief in meiner Seele verwurzelt. Ich habe dort so viel empfangen! Ich habe es nie bereut, Gottes Ruf zum so genannten beschaulichen Leben im Karmel geantwortet zu haben. Ich glaube, Baldegg war irgendwie die Vorbereitung auf den zweiten Schritt. Mein «Weitergehen» hat nichts mit Fliehen zu tun: Ich könnte den Abschnitt Baldegg nicht aus meinem Leben wegdenken; er gehört unwiderruflich dazu. Genauso gut wie das «neue Kloster». Beide sind ein Steinchen in meinem Lebensmosaik. Ich habe die innere Überzeugung, Gottes «zweifachem Ruf» geantwortet zu haben. Sr. Monique Hildegard Koller war Karmelitin und ist heute Baldegger Schwester Mit 25 Jahren trat ich in den damals einzigen Schweizer Karmel ein. Das Leben war in der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil sehr streng. Nach zehn Jahren wurde für mich ein monatelanger ErhoIst Kloster nicht Kloster? Was bewegt Schwestern, nach einem andern Kloster Ausschau zu halten? Und wie beurteilen sie rückblickend ihr Suchen und Finden? War es Flucht?
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