baldeggerjournal

5 Ist Flucht die treibende Kraft, wenn Menschen das Kloster wieder verlassen? Zwei ehemalige Baldegger Schwestern sagen uns, warum sie ausgetreten sind. lungsaufenthalt ausserhalb der Klausur notwendig. Mein gesundheitlicher Zustand erlaubte keine Rückkehr. Da ich von meiner Berufung als Ordensfrau überzeugt war und Baldegg aus der Zeit des Lehrerinnenseminars kannte, erwog ich einen Übertritt in die Gemeinschaft der Baldegger Schwestern. Trotz reduzierter Kräfte fand ich dort grosszügige Aufnahme. Nun machte ich die positive «Entdeckung» und Erfahrung, dass auch in einem so genannten aktiven Orden ein kontemplatives Leben möglich ist. Mein Übertritt nach Baldegg war daher kein Bruch, schon gar nicht eine «Flucht» aus dem Karmel, sondern die Fortsetzung des begonnenen Weges in einer etwas anderen äusseren Form. Die zehn Jahre Karmel möchte ich nicht missen. Sie gaben mir einen soliden Grund für meinen geistlichen Weg. Dafür bin ich dankbar, dankbar auch, diesen bei den «Schwestern der Göttlichen Vorsehung» in Baldegg weitergehen zu können. Sr. Marie-Edith Länzlinger sehnte sich nach einem kontemplativen Kloster und kehrte ins Kloster Baldegg zurück Mein Stundenplan im Institut Baldegg war damals übervoll: Vorbereiten, Unterricht erteilen, korrigieren. Und daneben galt es, den klösterlichen Verpflichtungen gerecht zu werden. Ich kam mir ausgebrannt und leer vor und hatte grosse Sehnsucht, mehr innezuhalten und alles, was ich tat, mehr zu beseelen. In mir machte sich wieder ganz stark der kontemplative Zug bemerkbar, mit dem ich mich bereits vor dem Klostereintritt auseinandersetzte. Nach langen inneren Kämpfen vertraute ich meine Not Menschen an, die mich verstanden und mich zum Schritt in ein kontemplatives franziskanisches Kloster ermunterten. Diesen tat ich im Sommer 1975. Schnell realisierte ich, dass jede Gemeinschaft ihre Regel anders interpretiert und in der Spiritualität andere Akzente setzt. Ich fühlte mich vom ersten Tag an wie um 50 Jahre zurück versetzt. Oberstes Gebot war harte körperliche Arbeit. Auch spürte ich bald, dass man mich in den Schuldienst im Dorf integrieren wollte. Vergeblich hatte ich gehofft, viel Anregung im geistlichen Leben zu bekommen, die franziskanische Spiritualität zu vertiefen und ein ausgewogenes Leben in Gebet und Arbeit führen zu dürfen. Ein wichtiges Kriterium für eine gesunde Spiritualität war für mich Lebendigkeit, doch ich erlebte Stagnation und Alleingang. So kehrte ich nach sechs Monaten wieder nach Baldegg zurück. Trotzdem war diese Zeit eine Gnadenzeit: Ich fand zu mir selber, und vor allem fand ich zu Gott. In mir entwickelte sich eine tiefe Gottesbeziehung, die auch trägt, wenn mich der Alltag mit all seinen Verpflichtungen fordert. Renata Bislin (Sr. Marie-Claire) war von 1987–2006 Baldegger Schwester Ich suchte schon immer die Wahrheit – und suche sie noch immer. Da ich damals das Klosterleben als das Wahre und Beste hielt, bin ich aus Berufung und mit Begeisterung ins Kloster Baldegg eingetreten. Ich blieb dort immer eine Suchende und Fragende. Und da ich auch einige Antworten ausserhalb des katholischen Glaubens erhielt, wurde mir das Kloster dann zu eng. Ich brauchte mehr Freiheit, nicht nur ideell, sondern auch materiell. Die Zeit im Kloster war für mich wichtig und lehrreich; ich möchte sie nicht missen. Wie im Leben draussen gab es Schönes und weniger Schönes. Ich schätze heute noch die Freundschaften, die sich ergaben. Die Jahre im Kloster gehören zu meiner Entwicklung, zu meinem Weg, der sonst nicht vollständig wäre. Gertrud Zurfluh (Sr. Elda) war von 1963–1994 Baldegger Schwester Durch das vermehrte Lesen von Sri Chinmoys Bücher, eröffnete sich mir eine neue spirituelle Sicht. Mein Herzenswunsch war, Mediationsschülerin von Sri Chinmoy in New York zu sein und glückliche Baldegger Schwester zu bleiben. Ich betete darum, Jesus möge mir seinen Willen kundtun. Das geschah durch deutliche Zeichen und in einem Traum, der klarer als das Leben selbst war. Nach meinem Austritt aus dem Kloster Baldegg sagte mir Sri Chinmoy einmal, dass Jesus selbst mich zu ihm gebracht hätte, was ich bestätigen kann. Nachdem ich den notwendigen Schritt getan hatte, verflogen meine Zweifel und mein Herz wurde wieder ruhig und zufrieden. Die schöne Verbundenheit mit Baldegg bleibt bestehen, und ich denke in Dankbarkeit zurück.

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