6 Kloster Baldegg Nesthocker – Nestflüchter Begonnen hatte alles so wohlgemut im Jahre 1830, als Kaplan Blum im Schlossgebäude zu Baldegg sein Erziehungsinstitut gründete. Arme Landmädchen sollten eine gute Schulung bekommen, und dazu brauchte es Lehrerinnen, die ihnen Wissen vermittelten. Die politischen Verhältnisse waren verworren, die Stimmung klosterfeindlich, dennoch wollten die Frauen unter einer Regel in Anlehnung an den Orden des heiligen Vinzenz in Gebet und Arbeit miteinander leben. Das ging auch eine Weile gut, das Institut wurde vom Luzerner Kleinen Rat anerkannt und vom Bischof von Basel bestätigt. Doch 1848 kam das erste Verdikt, der Regierungsrat hob das Institut auf. Als Begründung wurde angegeben, dass sich in Baldegg eine Art Kloster gebildet habe, das zudem noch unter jesuitischem Einfluss stehe. Nach einer kurzen Zwischenzeit, in der das Institut in beschränktem Masse weitergeführt wurde, fiel 1853 eine vernichtende Entscheidung für Baldegg: Das Schloss musste geräumt werden. Kosttöchter und Schwestern waren allesamt auf der Flucht, auf der Suche nach einem passenden Exil. Die Vorsteherin Ottilia Kaufmann traf mit drei Schwestern und zehn Lehrtöchtern in ihrem Heimatort Cham ein, wo ihnen im klosterfreundlichen Kanton Zug Asyl gewährt wurde. Sogleich begannen sie zu unterrichten, eine Mädchenschule wurde eröffnet, die ein dringendes Bedürfnis war. Doch die Wohnverhältnisse waren schwierig. Endlich eröffnete sich ihnen eine Möglichkeit, etwas ausserhalb von Cham bei der Heiligkreuzkapelle ein Stück Land zu erwerben und dort ein Haus für sich und die Lehrtöchter zu bauen. 1859 zogen sie ein. Es nannte sich Institut Baldegg-Cham, denn die Wurzeln hatte man nicht vergessen. Unbehelligt von politischen, kirchenfeindlichen Angriffen blühte es auf, die Schwestern durften offen ein klösterliches Leben führen, junge Frauen traten ein, und die Lehrtöchter besuchten ebenfalls zahlreich die neue Ausbildungsstätte. In Baldegg wurde mit der Zeit zaghaft an einen Neuanfang im alten Schloss gedacht, und die Schwestern erhielten eine neue Regel, die franziskanisch geprägt war. Das Doppelinstitut war geistlich, politisch und finanziell schwierig zu führen, und bald stellte sich die Frage nach einer Trennung. Sie wurde 1862 vollzogen und war für beide Seiten schmerzhaft. Zwölf der neunundzwanzig Schwestern blieben in Cham, die übrigen zogen zurück nach Baldegg. 1892 wechselte Cham zum dritten Mal die Spiritualität, indem sich die Schwestern den Olivetanern, einer benediktinischen Kongregation, anschlossen. Sie versprachen in ihren Gelübden stabilitas loci, conversatio morum und oboedentia, das heisst Beständigkeit, klösterliches Leben (frei übersetzt) und Gehorsam, wobei in unserem Zusammenhang besonders die Beständigkeit wichtig ist. «Die armen Schwestern waren in ihrer Schlossklausur wie verschüchterte Tauben in ihrem Schlag auf magere Kost beschränkt und Beten, Fasten und Arbeiten war ihr vorzügliches Tagewerk», so ist es im Urkundenbuch, das sich im Baldegger Archiv befindet, zu lesen. Was war geschehen? Sr. Simone Buchs, Kloster Heiligkreuz, Cham
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