13 ter Zeit über hohe Mengen an Energie zu verfügen. Dadurch ist ein wirksames Reaktionsvermögen in gefährlichen Situationen garantiert. Diese Notfallenergie wird jedoch vom Körper auch dann zur Verfügung gestellt, wenn jemand Angst empfindet, ohne einer realen Gefahr ausgesetzt zu sein. Unser körperliches Alarmsystem unterscheidet demnach nicht zwischen Lebensgefahr und harmloser Situation. Dies verdanken wir unseren frühen Vorfahren, die in Höhlen hausten. Sie kannten vermutlich nur lebensgefährliche Angstsituationen. Wenn sie beim Jagen unerwartet auf ein gefährliches Tier stiessen, mussten sie blitzschnell entscheiden zwischen den beiden Möglichkeiten: kämpfen oder fliehen. Ein Zögern hätte fatale Folgen nach sich gezogen. Wir sind zwar, was unsere Angstreaktionen anbelangt, körperlich noch wie Höhlenbewohner ausgestattet. Doch ganz so einfach wie sie haben wir es heute nicht mehr. Stellen Sie sich vor, Sie hätten bei den ersten Angstanzeichen während einer Prüfung nur die Wahl zu kämpfen oder zu fliehen. Beides wäre denkbar ungünstig. Wir entscheiden, wie und wozu wir das vom Körper bereit gestellte Energiepotenzial nutzen. Genau hier öffnet sich uns Unser Körper arbeitet noch immer mit Verhaltensweisen, über die bereits unsere Vorfahren, die Höhlenbewohner und steinzeitlichen Jäger, verfügten. Dies gilt für ein inneres Erleben, für welches sich verschiedenste psychologische Schulen auf keine andere gemeinsame Definition einigen konnten, als dass es sich dabei um ein ‚unangenehmes Gefühl’ handelt. Es geht um die Angst. Angst ist jedoch mehr als ein unangenehmes Gefühl. Wer Angst hat, muss sich entscheiden. Er steht unter Entscheidungsdruck. Denn jede Angst zwingt den Menschen, zu ihr Stellung zu nehmen. Natürlich ist es sinnvoll, erst einmal zu schauen, woher die Angst kommt. Ist sie begründet oder nicht? Wer sich zum Beispiel plötzlich einer giftigen Schlange gegenüber sieht, hat allen Grund, sich zu fürchten. Eine Angst löst im Körper alle nötigen Prozesse aus, um in kürzesNicht fliehen – dem Leben zuliebe ein Freiraum, den wir gestalten können. Übrigens gilt: wer vor einer für ihn angstbesetzten doch harmlosen Situation flieht, atmet zwar erst einmal auf und beruhigt sich. Doch ist die Angst damit nicht besiegt. Sie hat Tendenz, sich in ähnlichen Situationen erneut zu melden. Ein fortwährendes Fliehen kann Leben einengen, denn es verhindert nach und nach wertvolle Lebenssituationen. Uns stehen viele Möglichkeiten offen, um mit diesem «unangenehmen Gefühl par excellence» einen heilsamen Umgang zu finden. Zwei erweisen sich als besonders hilfreich. Einerseits ist es die mutig trotzige Unerschrockenheit, einer Angst ins Gesicht zu blicken, sie vielleicht sogar humorvoll auszulachen. Und andererseits steckt in einem «Zuliebe» ein hoch wirksames Mittel gegen jede überzogene Angst, die Leben einzuengen droht. Angst fordert heraus.Wenn wir eine Angst mutig aushalten, ihr sogar ins Gesicht lachen, und wenn wir einem Menschen oder einer Aufgabe zuliebe eine angstbesetzte Situation lebensfördernd gestalten, dann lässt nicht nur die Angst nach, sondern unser Leben gewinnt an Weite und Sinn. Sr. Tamara Steiner, Baldegg Wir Menschen des 21. Jahrhunderts sind, was unser Hirn betrifft, erstaunlich altmodische Wesen.
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