3 Höhepunkt erneut zur Entladung und Entspannung kommt. Das wollen wir auch unseren Gästen im Bildungshaus Hertenstein ermöglichen. Nicht selten lassen Anfragen vermuten, dass gerade diese alltägliche Dauerspannung zum Telefonhörer greifen lässt: «Ich weiss nicht so recht, kann man bei Ihnen ‹ausatmen› oder so etwas?». So oder ähnlich tönt es oft am andern Ende der Telefonleitung. Gemeint ist damit wohl die Frage: Kann ich in Hertenstein meinen Alltag «aus-atmen»? Kann ich an eurem Ort meinen Ort, in eurem Alltag meinen Alltag loslassen und wieder durch-atmen und frei atmen lernen? Nun liegt das neue Bildungsprogramm 2010 der Stella Matutina in Hertenstein wieder frisch gedruckt vor. Viele reizvolle und ansprechende Angebote werden darin vorgestellt. Sie wollen Interessierten neue Erkenntnisse und Erlebnisse, frische Einsichten und Einstellungen ermöglichen. Spannende Kursarbeit an einem Ort, der geradezu Stille ausatmet, wird so für viele unserer Kursteilnehmenden zur Erholung. Oft erleben es unsere Gäste, wie ich es im Badehaus erfuhr: Aus der Hektik des Alltags, die sich wie ein Gewitter über ihnen zusammenbraut, retten sie sich in diese Oase der Ruhe und müssen zuerst einmal ganz tief durchatmen, wenn sie in der Stella Matutina ankommen. Bei einigen genügt schon das Ankommen in Hertenstein, um aufatmen zu können. Andere benötigen Tage, um wieder ruhig und befreit atmen zu können. Manche müssen zuerst die Atmosphäre des Hauses einatmen, Stunden oder Tage, um zum erlösenden Aufatmen zu kommen. In der Anspannung meines Alltags hilft mir persönlich das Innehalten am Mittag, beim Atmen zu bleiben. Wir Schwestern tun dies im gemeinsamen Mittagsgebet. Nach einem anstrengenden, arbeitsreichen Morgen halten wir im Mittagsgebet das Erlebte Gott hin. Wir schauen es an, horchen auf den Atem, atmen auf. Anschliessend gehen wir aus der Stille zum Mittagessen und lassen den Nachmittag mit seinen Aufgaben und Herausforderungen kommen. Diese regelmässigen und täglichen Gebetszeiten helfen uns Schwestern, bewusst zu leben, im Atem zur Ruhe zu kommen, Bogen für Bogen zu spannen, aufzubauen und dann nach der Entspannung erleichtert und befreit aufzuatmen. Beim heutigen Mittagsgebet – ich bin noch ganz in den Gedanken dieses Artikels versunken – ist der Psalm 132 an der Reihe. Er trägt die Überschrift «Komm an den Ort deiner Ruhe». Dazu wird ein Text von Pierre Stutz vorgetragen: «Komm zur Ruhe Horche auf deinen Atem er kommt und geht In deinem Rhythmus hilft er dir zu dir zu stehen ruhig zu werden da zu sein Komm an den Ort deiner Ruhe Suche ihn in dir schenke ihn dir lass ihn nie mehr verloren gehen Werde still ganz Mensch» «Komm an den Ort deiner Ruhe.» Dies ist eine bleibende Einladung. Den Ort der Ruhe entdecken, fordert häufig Distanz zum eigenen Alltag. Manchmal genügt ein tiefes Aufatmen.
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