5 licher, und das Erdgeschoss kann als einer der Haupträume der Klosterherberge, als Klosterkafi mit Aussenterrasse, genutzt werden. Worauf sind Sie bei diesem Umbau besonders stolz? Ich bin einerseits stolz zu sehen, dass die Bauten meines Vaters in Baldegg nach wie vor Bestand haben und Qualität aufweisen. Gerade der Verbindungsbau zwischen Kirche, Haus St. Josef und Schloss und der dadurch gebildete Aussenraum, ist in seiner Schlichtheit bestechend. Andererseits glaube ich, dass wir mit dem neuen Projekt die Struktur des alten Klostergebäudes bereinigen konnten. Das Absenken des Klosterhofes hat viel zur verbesserten räumlichen Qualität beigetragen. Stolz bin ich besonders darauf, dass die getroffenen Massnahmen heute ganz selbstverständlich wirken und auch den Schwestern Freude bereiten. Als Architekt ist Häuser bauen Ihr Beruf. Was bestimmt Form und Aussehen des Hauses? Häuser, oder Gebäude im allgemeinen haben ganz unterschiedliche Funktionen – ein Wohnhaus ist nicht ein Bürogebäude, ein Kloster ist nicht eine Schule. Das soll auch von aussen erkennbar sein. Gerade beim Mutterhaus in Baldegg von Marcel Breuer kommt das sehr schön zum Ausdruck. Neben der Funktion gibt es jedoch noch zahlreiche andere Faktoren, die die Form beeinflussen: das Klima, die Lage, vielleicht auch Traditionen etc. – ein Stadthaus, ein Chalet in den Bergen, ein Haus am Meer unterscheiden sich in ihrer Form grundsätzlich. Als Architekt sehe ich meine Arbeit in der Lösung der mir gestellten Aufgabe. Am erfolgreichsten gelingt mir dies in Zusammenarbeit und im Gespräch mit der Bauherrschaft. Sehr oft wird auch die Aufgabenstellung erst im Laufe der Zusammenarbeit klarer, das Projekt entwickelt sich und wird zunehmend konkreter. In der Lösungsfindung gelingt es mir, kreative Vorschläge zu machen. Einfach kreativ sein finde ich jedoch schwierig und für die Funktionalität des Projektes vielleicht sogar gefährlich. Wie bringt die Architektur den Herbergeaspekt zum Ausdruck? Beim Projekt «Klosterherberge» wurde viel Denkarbeit auch von Seite der Schwestern erbracht. Es ist ja alles andere als alltäglich, ein Kloster in eine Herberge umzunutzen. Im Rahmen der gemeinsamen Planung wurde den Schwestern und mir das Bild der zukünftigen Herberge immer klarer. Grundsätzlich sind sich jedoch eine Herberge und ein Kloster nicht so fremd. Aus einem Kloster ein Luxushotel zu machen wäre sicher problematischer! Das Einfache und Schlichte, wie wir es in Baldegg finden, kombiniert mit warmen Materialien und der Herzlichkeit der Schwestern, wird die Klosterherberge sicher zum erhofften Erfolg führen. Giachen Lombriser, dipl. Architekt HTL, Architekturbüro Jordi + Partner AG, Bern Herr Lombriser, als ausführender Architekt des Architekturbüros Jordi, Bern, brachte Ihnen dieser Umbau die erste Begegnung mit dem Kloster Baldegg. Unterscheidet sich diese klösterliche Baustelle von einer andern? Schon beim ersten Besuch im Haus St. Josef in Baldegg spürte ich die klösterliche Spiritualität. Sehr intensiv, als ich die Kapelle betrat. Nun sollte der schöne Raum anders genutzt werden. Kommt das gut? Von diesem Moment an wusste ich, dass dieser Umbau etwas Besonderes wird und eine spezielle Herausforderung auf mich wartet. Mit grosser Freude ging ich an die Arbeit. Was war bei diesem Umbau besonders schwierig? Bei jedem Umbau stellt man sich die folgenden Fragen: Wie gut ist die Bausubstanz? Was soll man, was muss man erhalten? Weil eine sanfte Renovierung vorgesehen war, wurde die gute Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur besonders wichtig. So wussten wir bei der Planung nicht immer, welche Wände aus statischen Gründen erhalten werden mussten. Da gab es Überraschungen beim Abbruch und wir mussten jeweils kurzfristig und spontan umplanen. Welche Phase beim Umbau war für Sie die spannendste? Ich freue mich immer, wenn die Endphase eines Umbaus beginnt, und ich bin gespannt, ob die Projektidee verwirklicht wurde. Es gibt immer Details, die noch besser hätten umgesetzt werden können. Aber meistens sind es kleinere Sachen, die nur einem selber stören. Und was ist bei diesem Umbau gut gelungen? Das Klosterkafi mit seiner besonderen Atmosphäre gefällt mir am Besten. Die Patrick Jordi Giachen Lombriser
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