6 Klosterherberge nun bis zum Boden herabgezogenen Bogenfenster, der Ausblick in den Innenhof und der Blick zum Baldeggersee sind markante Bestandteile dieses Umbaus. Ich bin überzeugt, dass viele Gäste sich hier wohl fühlen und immer wieder gerne zurückkehren. Gibt es Erinnerungen, die Sie von dieser Baustelle mitnehmen? Die vielen Besuche auf der Baustelle waren für mich immer besondere Momente. Ich war immer sehr gespannt, den Baufortschritt zu sehen. Es ist schön zu sehen, wie die Planung in die Realität umgesetzt wird. Vor allem die Baukommissionssitzungen bleiben mir in guter Erinnerung. Da wurden nicht nur stur die Traktanden behandelt, sondern auch heftige Diskussionen geführt. Dieses begeisterte Mitdenken aller war sehr beeindruckend und motivierend. Und anschliessend reichte es auch immer für einen gemeinsamen Mittagslunch, der vorzüglich schmeckte. Joe Kündig, Architekt FH/Wirtschaftsingenieur FH, Kündig Architektur AG, Baldegg Herr Kündig, vor einigen Jahren haben Sie die Verantwortung für den Technischen Bereich und die klösterlichen Liegenschaften des Klosters übernommen. Gibt es denn für einen Architekten immer genug Arbeit im Kloster? Was macht Ihnen in Ihrer täglichen Arbeit besonders Freude? Ja, Arbeit gibt es immer genug. Mein Aufgabengebiet umfasst einen sehr grossen Bereich. Einerseits kümmere ich mich um Kleinigkeiten wie beispielsweise um ein verklemmtes Fenster oder eine verstopfte Kanalisationsleitung. Anderseits unterstütze und berate ich das Kloster auch beim Unterhalt der auswärtigen Gebäude oder wenn nötig auch beim Verkauf einer Liegenschaft. Je nach Komplexität und Umfang der Aufgabe nimmt diese Arbeit das gesamte Architekturbüro oder nur mich in Anspruch. Die Vielseitigkeit und der Umgang mit den unterschiedlichsten Ansprechpartnerinnen und -partnern stellt jeden Tag eine neue Herausforderung dar. Dies trägt dazu bei, dass mir die Arbeit im Kloster sehr gefällt und sie niemals langweilig wird. In enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Jordi + Partner AG, Bern hatten Sie beim Umbau des alten Klosters die örtliche Bauleitung inne. Wie erlebten Sie die Bauzeit? Die Zusammenarbeit mit dem Büro Jordi hat sich als äusserst positiv erwiesen. Während ich für die Ausführung/Bauleitung zuständig gewesen bin, war das Büro Jordi mit der Planung beauftragt. Zu einer produktiven Zusammenarbeit gehört, dass man auch unterschiedliche Meinungen vertreten darf. Wichtig ist jedoch, dass zusammen mit der Bauherrschaft immer ein gemeinsamer Weg gefunden werden kann. Dies war während der ganzen Bauzeit der Fall. Welche kritischen Phasen haben Sie auf der Baustelle erlebt? Bei einem Umbau in dieser Grössenordnung mit einer relativ kurzen Bauzeit von ca. fünfzehn Monaten ist aus meiner Sicht jede Phase kritisch. Bei den Abbrucharbeiten wusste man nie, was man antrifft, die Rohinstallationen konnten oft nur auf der Baustelle definitiv festgelegt werden, und bei den Ausbauarbeiten stellte die immer knapper werdende Zeit einen besonderen Nervenkitzel dar. Joe Kündig Sie haben Ihr eigenes Architekturbüro in den Räumlichkeiten der Klosterherberge im obersten Stock. Warum? Mein Architekturbüro befindet sich seit Juni 2006 im obersten Stock des Hauses St. Josef mitten in der neu entstandenen Klosterherberge. In dieser speziellen und ruhigen Atmosphäre kann ich den Baustellen-Stress vergessen, mich entspannen und konzentriert arbeiten. Ebenso meine Mitarbeiterinnen. Zudem ist der Standort Baldegg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestens erschlossen. In der Klosterherberge wird es neben Ihnen noch weitere Nutzer und Mieter haben. Wie sehen Sie als Mieter das zukünftige Zusammenleben? Die Kosterherberge soll in Zukunft ein Ort der Begegnungen sein. Personen mit unterschiedlichsten Absichten werden sie betreten, sei es um hier zu wohnen, zu arbeiten oder in Ruhe etwas zu konsumieren oder zu kaufen. Ich bin sicher, dass diese besondere Konstellation zu einem bunten und angenehmen Klima führen wird.
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=