baldeggerjournal

Cantate domino «Wachet auf», ruft uns die Stimme «Mit aller Musik soll Gott geehrt und die Menschen erfreut werden. Wenn man Gott mit seiner Musik nicht ehrt, ist die Musik nur ein teuflischer Lärm und Krach.“ (Johann Sebastian Bach) Unermüdlich lobt J.S. Bach Gott. Allein 16 seiner Kantaten handeln vom Lob Gottes. Was Generationen von Theologen in der Predigt zu verkündigen suchten, gelingt der Musik von J.S. Sebastian Bach. Bis in die Gegenwart erreichen seine Klänge auch Menschen, die sich schon lange vom Christentum verabschiedet haben. So auch in einer seiner bekanntesten Kantaten: «Wachet auf», ruft uns die Stimme Sie wurde für den 27. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1731 komponiert. Das Evangelium des Tages war das Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Zugrunde liegt dieser Kantate das Lied von Philipp Nicolai aus dem Jahre 1599. Die drei Strophen des Liedes sind die Säulen der Kantate. Dazwischen erklingen je ein Rezitativ und ein Duett. Nicolais Lied ist biblisch und wir finden darin viele Anklänge an Jesu Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen. «Wachet auf»; ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heisst diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräut’gam kommt! Steht auf, die Nach 16 Takten setzt der Chor ein. Der Wächter "hoch auf der Zinne" ruft mit einem Dreiklangmotiv zur Das Halleluja ist ein einziger Jubelruf. Es ist ein Fugato, das einem Chor alles abverlangt. Darin wird die Freude über die Ankunft des Bräutigams jubelnd zum Ausdruck gebracht. Nach der 1. Strophe des Liedes wird das Ritornell wiederholt. Mit 40 Aufnahmen gehört die KanLampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit; ihr müsset ihm entgegengehn!» Was macht nun Bach musikalisch mit diesem Text? Der erste Chor (und nur mit diesem befasse ich mich) beginnt mit einem instrumentalen Ritornell. Ein festlicher Rhythmus wie zum Empfang eines Königs erklingt und erzeugt eine Stimmung der Erwartung. Zwölf punktierte Noten in den ersten vier Takten des Ritornells klopfen deutlich die Uhrzeit. Horch: es ist Mitternacht. Jerusalem schläft und mit der Stadt schlafen die jungen Frauen, die törichten wie die klugen, die auf den Bräutigam warten. Wachsamkeit auf. Der Chorsopran singt in grossen Notenwerten die Choralzeile. Die vokalen Unterstimmen geben in schnellen Imitationen Rufe in alle Richtungen weiter bis hin zum letzten entscheidenden Appell: "Macht euch bereit zu der Hochzeit". tate zu den drei am häufigsten eingespielten Bachkantaten. Was aber macht dieses Werk so beliebt? Vor allem wohl die Tatsache, dass drei der eingängigsten Stücke Bachs in dieser Kantate versammelt sind: der wunderbare Choralsatz und zwei Liebesduette. Die ganze Kantate ist eigentlich eine Collage aus dem Gleichnis von den fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen, aus der Wächter-Symbolik und aus Ausschnitten aus dem Hohelied in den Duetten. Die Kantate ist ein absolutes Meisterwerk, das anzuhören sich lohnt. Und vielleicht haben Sie ja jetzt selber Lust einmal hineinzuhören. Auf Youtube ist sie zu finden. Sr. Renata Geiger 12

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