baldeggerjournal

12 Im Pilgergottesdienst spricht der Priester «vom Unterwegssein auf dem Camino». Er drückt mit Freude den Stempel in unseren Pilgerpass. Mittwoch, 10. September Wie weiter? Wir wählen den Weg über Samos, wo sich das grosse Benediktinerkloster San Julian befindet. Die Mittagsglocken läuten bei unserem Ankommen. Wir suchen den Eingang in die Kirche. Die Türen sind verschlossen! Nach einer Rast geht’s weiter Richtung Sarria. Am Eingang des Dorfes finden wir eine Pilgerherberge. Im Schlafsack fühle ich mich eingeengt, schlafe nicht gut, meine Beine, das stundenlange Pilgern nicht gewohnt, schmerzen. Donnerstag, 11. September Raus aus dem engen Schlafsack! In den Regenschutz gehüllt und gestärkt durch einen grossen Gipfel und einen heissen Kaffee durchqueren wir die moderne Stadt Sarria. Waden und Knie schmerzen. Unser Ziel ist Portomarin. Neben der romanischen St. Nikolaus-Kirche finden wir eine Herberge. Ich gewöhne mich an das Pilgern. Schön, mit Liliane und Markus hier zu sein! Freitag, 12. September Gut ausgeruht und munter geht es heute durch Wälder und Felder, auf und ab, bis nach Palas de Rei. 24 Kilometer legen Sonntag, 07. September Es ist so weit. Wir treffen uns auf dem Flughafen Kloten. Hoffentlich geht alles gut: ein Stossgebet zum Himmel. Und schon bestaune ich unsere Erde aus 11000 Metern Höhe. Lächelnde Hostessen bringen Sandwichs und Getränke – eine Herberge hoch in der Luft. Landung in Santiago de Compostela. Teolindo, ein guter Bekannter von Liliane, wartet mit dem Auto auf uns. Die Begrüssung ist herzlich. Teolindo fährt mit uns nach Bercerea. Dort finden wir in seinem grossen Haus gastliche Aufnahme. Dienstag, 09. September Wir starten mit dem Stempel von O Cebreiro in unserem Pilgerpass. Der Weg geht auf und ab, der Landstrasse entlang, durch Wald- und Feldwege und durch kleine vereinsamte Dörfer. Am Abend treffen wir müde, durstig und verschwitzt in Triacastela ein. Ungefähr 20 Kilometer sind wir gewandert. Bei der ersten Bar setzen wir uns hin. Liliane erkundigt sich nach einer Schlafstätte. wir zurück: besinnlich, lachend, schwatzend, schweigend. Wir fühlen uns in der Natur geborgen, lassen Wind und die Sonnenstrahlen auf uns tanzen, riechen die Erde und naschen süsse Brombeeren. Samstag, 13. September Heute haben wir Grosses vor. Wir möchten in Arzua ankommen.Auffallend viele Pilger sind unterwegs. Mich begleitet das Lied: Ich bin mit dir auf deinem Weg. Endlich erreichen wir das Städtchen Arzua. Wir überlegen, wo wir die Nacht verbringen! Pilgern ist eine grosse Herausforderung. Sonntag, 14. September Am späten Nachmittag erreichen wir das Dorf Arca de Pino. Erneut auf Herbergsuche. Der Wirt schickt uns weiter. Kein Platz! Wir sind müde, es braucht Kraft und Überwindung zum Weitergehen. Bald holt uns das Glück ein: wir finden ein freies Dreibettzimmer. Nach kurzer Ruhepause suchen wir die Kirche auf und stehen einmal mehr vor verschlossener Tür! Enttäuscht kehren wir in die Herberge zurück. Wenn alles gut geht, erreichen wir morgen Santiago de Compostela, die letzte Ruhestätte des heiligen Jakobus. Montag, 15. September Voll Elan pilgern wir los. Unendlich lang scheint der Weg und es ist sehr warm! Wir sehnen uns nach dem Ziel! Das letzte Stück des Weges führt über eine geteerte Strasse. Der Verkehr ist gross, der Lärm gewaltig nach diesen Tagen der Stille. Und dann plötzlich der Anblick der gewaltigen Kathedrale! Wir sind am Ziel! 160 Kilometer – Schritt für Schritt! Durch eine Seitentür schlüpfe ich hinein in die dämmerige Kirche, Liliane und Markus folgen. Ich stelle den Rucksack ab und setze mich in die Bank. Wir sind angekommen, Glück und Geborgenheit umfangen mich! Notizen eines Pilgerweges Sr. Claudia-Pia Steiner, Hertenstein Bildungshaus Stella Matutina «Einer meiner Träume sollte in Erfüllung gehen? Je näher die Zeit rückte, je öfters stellte ich mir die Frage: Schaffe ich das? Zu Fuss, mit dem Rucksack, bepackt mit dem Nötigsten, ungefähr 8 kg schwer?» Die Überraschung war perfekt, als Sr. Claudia-Pia Steiner mit einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela beschenkt wurde. Sie hat uns einige Notizen über ihren Jakobsweg überlassen. Sr. Claudia-Pia lebt und arbeitet im Bildungshaus in Hertenstein.

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