13 Bildung geschieht anders. Bildung beginnt mit einer grossen Frage: Ist es einem Menschen erlaubt, dem andern Menschen Ziele zu setzen? Lebensziele sind gemeint. Der Gebildete sagt: nein. Er empfindet so etwas als schamlos, und – politisch – als totalitär. Auch das haben wir gesehen. Lebensziele sind da, können entdeckt werden in langsamen Bildungsprozessen; in einem Umfeld, das alle Fragen zulässt und alle Antworten geduldig siebt; und so Menschen wachsen lässt in ihrer Richtung, in ihren Fähigkeiten und in ihrem Können. Lebensbildung ist anspruchsvoll und streng. Die Stella Matutina legt ein Programm der Lebensbildung für Erwachsene vor. Wer ganz entschieden auf Bildung angewiesen ist, das sind die Kinder und Jugendlichen. Es sollte verboten sein, mit ihnen Ausbildung zu betreiben. Das kommt noch früh genug. Es geht nicht an,Vierjährige in ein Ausbildungsprogramm einzubinden, dessen generelles Ziel, von allem Anfang an, erklärtermassen ein ETH-Diplom ist. Nichts gegen ETH-Diplome; aber was Kinder brauchen, ist nicht das, was Kinder heute bekommen; sie brauchen ‹Heimat›. Der Schriftsteller Gerhard Meier hat einem Kind ein Gedicht gewidmet. Vielleicht kann uns darin entgegen kommen, was Bildung für Kinder sein könnte. Um es gleich vorweg klar zu stellen: Ich habe nichts gegen Ausbildungen. Schliesslich lebe ich, wie wir alle, in einer technischen Zivilisation, die einen ungeheuren Maschinenpark hervorgebracht hat; Maschinen, die dauernd marktkonform weiterentwickelt werden müssen, was einen ebenso ungeheuren Bedarf an Ausbildungen hervortreibt; Ausbildungen, die nie ein Ende haben, solange wir beruflich tätig sind und beruflich weiter kommen wollen. Um beim Thema zu bleiben: Eine solide Ausbildung kann eine Herberge des Lebens sein; wir wissen es. Wir wissen aber auch, dass Ausbildungen allein für ein Menschenleben nicht ausreichen. Was unterscheidet Ausbildungen von Bildung? Ein Ausbildner setzt Ziele; bestimmt, was erreicht werden soll. Er wählt geeignete Stoffe, gliedert sie in Module, entwirft einen Zeitplan, legt die Evaluationsschritte fest und, am Ende, händigt er ein Zertifikat aus. P. Werner Hegglin, Hertenstein Bildung. Herberge des Lebens «Die öffentlichen Schulen sind nicht daran interessiert, gebildete Menschen hervorzubringen.» So beginnt der Philosoph Robert Spaemann 1994 eine Rede zum Thema ‹Bildung›.1) Jetzt, ein paar Jahre später, erscheint mir dies noch deutlicher. Bildung verschwindet, an ihre Stelle treten Ausbildungen. Einem Kind Wirst dir einige Figuren zulegen Hans im Glück zum Beispiel Mann im Mond St. Nikolaus zum Beispiel und lernen dass die Stunde sechzig Minuten hat kurze und lange dass zweimal zwei vier ist und vier viel oder wenig dass schön hässlich und hässlich schön ist und dass historisches Gelände etwas an sich hat Zuweilen sommers oder so begegnet dir in einem Duft von Blumen einiges dessen das man Leben nennt Und du stellst fest dass was du feststellst etwas an sich hat Stella Matutina, Bildungshaus Bildung: daheim sein Ich möchte, dass die Stella Matutina ein
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