baldeggerjournal

3 das Gespräch mit jener Person, die langsam entsteht und mein Gegenüber wird. Ich habe die ostkirchliche Musik lieben gelernt, freue mich am Duft des Weihrauches und werde innerlich ruhig durch das Malen. Wenn ich für ein paar Stunden in die Welt der Bilder eintauche, dann fühle ich mich bereichert, dann wird das Eintönige des Alltages zu einer Leben spendenden Quelle. Lernfeld Gartenarbeit Ein zweites Lernfeld der Geduld besteht für mich in der Gartenarbeit. Mitschwestern helfen mir dabei. Wir säen Sommerblumen, Küchenkräuter und pflegen Beeren. Jeder Same hat sein eigenes Gesetz der Entwicklung. Der eine benötigt Kälte, der andere Wärme, einige wollen Dunkelheit, andere Licht. Nach Tagen oder Wochen entwickeln sich aus den Samen die Keimblätter, dann wachsen die für jede Pflanze typischen Blattformen. Ab dem dritten und vierten Blatt spendet der Basilikum seinen für ihn typischen Duft und die Sonnenblumen drehen sich der Sonne zu. Bei der Glockenrebe zeigt sich auch nach Tagen der Aussaat erst ein kräftiger Buckel, daneben wachsen sehr feine Stiele des Majorans. In sechs Wochen sollten die Pflanzen stark genug sein, um im Freien weiterhin zu gedeihen. Jede Woche wächst Unkraut nach, das gejätet werden will und in trockenen Perioden müssen wir wässern. Werden einige Pflanzen hoch, braucht es Stützen, Verblühtes soll geschnitten werden, die Beeren müssen aufgebunden und wegen möglicher Krankheiten kontrolliert werden. Wenn die «Küche» nicht alle Kräuter benötigt, dann legen wir sie zum Trocknen und stellen damit Kräutersalz her. Wir arbeiten mit sehr einfachen Einrichtungen. Gerade sie machen es aus, dass unsere Phantasie angeregt wird und unsere Geduld wachsen kann. Zuhören im Klosterkafi An mehreren Tagen in der Woche arbeite ich im Klosterkafi. In gewissen Zeiten kommen wenig Gäste, dann wieder staune ich über die Anzahl Besucherinnen und Besucher. Einige Gäste schalten bei ihrem Spaziergang eine kleine Pause ein, andere verweilen länger, suchen Kontakte. Es gilt heraus zu spüren, was wer genau will. Wenn es mir gelingt, geduldig hinzuhören, dann können bereichernde Gespräche entstehen. Ich höre von der Kindererziehung, von Krankheiten, von Sorgen und auch von der Sehnsucht nach Glauben, nach Beten können. Sind nur wenig Gäste im Klosterkafi, dann wird meine Geduld auf andere Weise gefördert. Es stellt sich dann jeweils die Frage nach einer mir in dieser Situation möglichen und sinnvollen Arbeit. Bin ich geduldiger geworden? Mein Lebensrhythmus hat sich in den letzten Jahren verlangsamt. Die Aufgaben haben sich stark verändert. Bin ich wirklich geduldiger geworden, das frage ich mich manchmal. Ich weiss es nicht genau. Ikonen sind «Fenster zum Himmel», die Natur gleicht einer Lehrmeisterin des Lebens. Die Gäste im Klosterkafi haben eine Ähnlichkeit mit den Gästen Abrahams im Ersten Testament.Weil Abrahams Gäste freundlich aufgenommen und bewirtet wurden, brachten sie ihm und seiner Frau Sara eine gute Nachricht. (Die Darstellung dieser Szene von Andrei Rubljow gilt übrigens als Vorbild für die Ikonenmalerinnen und -maler.) Somit verbinden sich Gastfreundschaft und Malen und ergänzen sich gegenseitig. Die verschiedenen Gesichter, denen ich begegne, helfen mir, das Heile oder Heilige immer besser zu entdecken und es in die Sprache der Ikonen hinein zu verarbeiten.

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