5 Schwester Gaudentia tut dies seit 1969 im Gesundheitsbereich. Mit Geduld und Zuversicht hat sie ein erstes Spital in der Buschstation Det aufgebaut. Dann eine Schule für Krankenpflege. Infolge von Sippenkämpfen wurde langsam Erstandenes und alles, was eine bessere Zukunft versprach, wieder zerstört. Doch gerade in den Zeiten des Untergangs zeigten sich auch neue Möglichkeiten und dringende Bedürfnisse. So ist nun Schwester Gaudentia hauptamtlich in der Vorbeugung und der Behandlung von Aids tätig. Sie tut dies durch Aufklärung, Schulung, Betreuung und Begleitung der immer grösseren Anzahl von Betroffenen. Auch Schwester Paulus-Maria und Schwester Valentine mit ihrer blühenden Mädchenschule ging es ähnlich. Nach der vollständigen Zerstörung durch Sippenkämpfe mussten beide einen neuen Anfang finden, an einem neuen Ort. So ging es auch Schwester Monika-Pia mit ihrer Pfarrei. So ging es jeder der sieben Baldegger Schwestern, also ebenfalls Schwester Lukas, Schwester Damascena und Schwester Lorena in einem oder in verschiedenen ihrer Arbeitsbereiche. Wenn alles aus zu sein schien, die Weiterarbeit unmöglich oder zu gefährlich, die Menschen apathisch und unmotiviert, so kam die Geduld den Schwestern doch nie ganz abhanden. Die Geduld zum Bleiben und Hoffen, die Geduld zum Anteilnehmen und Vertrauen, die Geduld zu einem mutigen Neuanfang. Die neuen Anfänge geschahen stets auf neue Weise, nicht in den von Zerstörung und Rache und Vergeltung zurückgelassenen Ruinen und Spuren, sondern auf andern Wegen, aber mit dem gleichen Ziel: Den Menschen zu einem menschenwürdigeren Leben zu verhelfen und das auf der Grundlage ihres noch zerbrechlichen christlichen Glaubens. Ungeduldige bleiben am besten zuhause Ein Missionseinsatz ist nur etwas für geduldige Menschen. In Papua Neuguinea ganz besonders. Es braucht die Fähigkeit, sich selber und den Papuas Zeit zu lassen, nicht langfristig planen zu wollen, vor Überraschungen nicht zu erschrecken und den Mangel an Interesse und Motivation der Bevölkerung zu ertragen. Es braucht die Stärke, Enttäuschungen zu verkraften, im Hintergrund zu stehen und Erfolge nicht dem Missionspersonal, sondern den Papuas zuzuschreiben. Auch wer sich auf Besuch macht zu den Baldegger Schwestern auf der andern Seite unsere Erde und nur kurze Zeit im Südlichen Hochland von Papua Neuguinea lebt, kann sich im Gedulden üben. Die lange und auch heute noch umständliche Reise, der Zeitunterschied von neun Stunden, das immer wiederkehrende Warten, der Temperaturwechsel zwischen der tropischen Küste und Mendi auf über 1500 m Höhe, die Unzuverlässigkeit der technischen Errungenschaften wie Telefon und Internet und Post, die relative Einsamkeit: alles ruft nach Geduld. Natürlich sind wir bei unseren Mitschwestern gut aufgehoben und geborgen. Doch ausser dem Gebet, dem gegenseitigen Gespräch, den Aufgaben der Schwestern und den Mahlzeiten gibt es keine Tage füllenden «Aktivitäten» für die «Fremden». Die schöne Landschaft auskundschaften ist gefährlich. Ich habe meine Aufenthalte in Mendi und Det im Kreise der Mitschwestern aber in schöner und dankbarer Erinnerung als Geschenk der Erholung vom gleichzeitigen Vielerlei in der Schweiz und auch als Schule der Geduld, des Vertrauens, der Zuversicht und der Treue.
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