baldeggerjournal

9 Toleranz zu finden, Schwächen zu ertragen und die rechte Art der Zuwendung zu leisten ist die Kunst des Lebens. Orientieren kann ich mich an Jesus, der uns die Geduld des ewigen Vaters in menschlicher Weise gezeigt hat. Ich kann mich immer fragen: Was würde er jetzt tun? Wie geduldig wäre er jetzt? Bei ihm finde ich grundlegend eine große Geduld gegenüber den Sündern und auch gegenüber verblendeten Menschen, keine Geduld aber gegenüber denen, die im eigentlichen Sinn «Gott-Redner», d.h.Theologen sein sollten und die Botschaft missdeuteten. So darf auch ich keine passive Haltung einnehmen gegenüber all dem, was in der Welt nicht in Ordnung ist. Nicht abfinden darf ich mich mit Missständen oder Ungerechtigkeiten und sagen: Warten wir’s ab, seien wir geduldig mit denen, die das Unrecht verursachen oder fördern. Hier käme geduldiges Warten einer Zustimmung gleich und damit einer Förderung des Unrechts. Dem Unrecht gegenüber muss ich drängend und fordernd sein, so dass ich es bekämpfe. Und dieses Drängen kann sich als Ungeduld gegenüber denen erweisen, die das Unrecht verursachen. Und doch muss ich, wenn es um ihr persönliches Versagen geht, auch ihnen gegenüber jenes grundlegende Wohlwollen versuchen, durch das ich etwas von der Langmut Gottes spiegeln kann. Auf meinen Laptop hat mir der Student, der mir das Programm eingerichtet hat, als Bildschoner den Spruch aufgeProf. Ludwig Mödl leitet seit vielen Jahren Exerzitienkurse im Kloster Baldegg. Als Professor für Pastoraltheologie dozierte er an den Universitäten Luzern und München und war Ordinarius für Spiritualität und Homiletik in Eichstätt, Deutschland. Seit seiner Emeritierung ist er als Spiritual im Herzoglichen Georgianum in München tätig. Daneben ist Prof. Mödl als Nachfolger des Religionsphilosophen Eugen Biser Universitätsprediger an der Münchner Ludwigskirche und arbeitet auch heute noch in vielen Arbeitsgruppen mit. In seinem reichen wissenschaftlichen und theologischen Arbeiten hat Prof. Ludwig Mödl immer wieder ein besonderes Interesse für Themen der christlichen Kunst und Volksfrömmigkeit gezeigt. Im Frühjahr 2008 erschien dazu sein Buch: Den Alltag heiligen: Rituale, Segnungen, Sakramentalien; die Bedeutung der Volksfrömmigkeit und praktische Vorschläge für die Seelsorge. Dieses Buch entstand unter Mitwirkung unserer Schwester Tamara Steiner, Baldegg. speichert: «Gib mir Geduld, aber schnell!» Er kannte mich offensichtlich gut. Ungeduldig bin ich von Natur aus, wie wohl viele meiner Mitmenschen auch. Zur Geduld muss ich mich all zu oft zwingen. Aber als langjähriger Erzieher weiß ich: Geduld ist zwar keine leichte Sache, aber sie zahlt sich fast immer aus.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=