11 an Organisationen wenden, die sie zum Tod führen? Oder von Menschen, die eine lange Zeit am Bett eines scheinbar sinnlos leidenden und sterbenden Angehörigen geduldig ausharren müssen? Wird da der Tod als Bruder erfahren? Auch für Franziskus ging seinem Bruder Tod eine lange Leidenszeit voraus, die er aber in grosser Geduld ertrug. So schreibt sein Biograf Thomas von Celano: «Durch unzählige Leiden und heftige Krankheiten lenkte der Herold Gottes, Franziskus, seine Spuren auf den Weg Christi. Doch er tat keinen Schritt zurück, bis er, was er vollkommen begonnen, vollkommener vollendete.»2 Wenn der hl. Franziskus seinen Tod als Bruder begrüsste, dann war dies die Frucht seines Lebens, welches geprägt war von der Liebe. In der Begegnung mit dem Gekreuzigten von San Damiano am Anfang seines Weges, wurde in ihm das Verlangen geweckt, in der Kreuzesgemeinschaft mit Christus und in Christus zu leiden. Doch dieses Leiden erwuchs für Franziskus aus der Liebe zu Christus und aus dem Lieben wie Christus. Diese Liebe meinte nicht in erster Linie ein Gefühl, sondern ein «Dasein-für-andere». Voraussetzung für diese Liebe war die Selbstliebe. Deshalb musste der hl. Franziskus in der Begegnung mit dem Aussätzigen zuerst lernen, den Aussätzigen in sich zu umarmen, um dann den Aussätzigen «draussen» umarmen zu können. Und diese Begegnung mit dem Aussätzigen ausserhalb von Assisi, unten in der Ebene, wurde für ihn zur Begegnung mit Christus. Geduld führt ins Leben Sein ganzes Leben war von dieser Erfahrung geprägt. Und so wurde auch die letzte Phase seines Lebens, seine Krankheit, zu einem geduldigen, aber auch freudigen Warten auf die endgültige Begegnung mit Christus. Deshalb konnte er sein Glück nicht verbergen und rief: «Sei willkommen, Bruder Tod!» Und zu seinem Arzt sagte er: «Sag mir, dass mein Tod mir unmittelbar bevorsteht. Für mich wird er das Tor ins Leben sein.»3 Wenn er seinen Bruder Tod willkommen hiess, dann war dieser für ihn das Tor, an das er lange und geduldig angeklopft hatte und das für ihn nun offen stand. Menschlicher Tod ist also kein Abbruch und darf es auch nicht sein, sondern er muss Vollendung werden. «Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.»4 Die Teilhabe am Leben Jesus Christi und damit auch an seinem Tod ist also letztlich Teilhabe an seiner Auferstehung, was nichts anderes ist, als die Kraft der Liebe des Vaters, die uns neues Leben schenkt. Für den hl. Franziskus, und damit auch für uns alle, meint also Auferstehung das Aufblühen der in diesem irdischen Leben begonnen Liebe. «Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind» 5 , heisst es im ersten Johannesbrief. So können wir etwas wie eine Gewissheit aus der Erfahrung verbreiten – mitten in diesem Leben – den Tod schon überwunden zu haben. «Aus dem Tod in das Leben hinübergegangen» ist hier eine Umschreibung für Auferstehung. Und dann nennt der Brief den Ort dieser Auferstehungserfahrung: die Liebe zu den anderen. Geduld ist also praktizierte Liebe zu den andern. Geduld schenkt Auferstehungserfahrungen im Alltag. Diese Erfahrungen wünsche ich uns allen, gerade auch im Leid und Tod. 1) 2 Cel 217 / 2) 2 Cel 210 / 3) 2 Cel 217 / 4) Phil 3,10 / 5) 1 Joh 3,14 Der Tod des heiligen Franziskus, Miniatur aus dem 15. Jahrhundert, gemalt von der Freiburger Klarissin Sbilla von Bondorf
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