baldeggerjournal

12 Ohne Geduld geht nichts - mit Geduld fast alles Sr. Sonja Kugler, Frick baldegger bildungshaus mit den Gabeln. Frieda aber freut sich, dass sie sich nützlich machen konnte. r Ich zeige Hans seinen Platz am Tisch: tDu kannst hier sitzen!“ Hans unterhält sich mit seinem Nachbarn. „Setz dich doch hin!“ „Ja, ja!“ und scheint über etwas nachzusinnen. Nach einigen Minuten versuche ich es noch einmal: „Komm, Hans, setz dich!“ Es geht noch einmal eine ganze Weile. Dann setzt sich Hans zu uns an den Tisch. r Erika gerät bald nach dem Mittagessen in Unruhe und will nach Hause. Alle paar Minuten fragt sie: „Werde ich jetzt abgeholt?“ Sie läuft hin und her, geht zum Ausgang und will hinaus, steht am Fenster und schaut, ob ihr Taxi schon da ist. r Ueli will uns ein Erlebnis erzählen. Er muss immer wieder nach den richtigen Worten suchen. Er – und wir als Zuhörerende müssen warten, bis sich in ihm das Gedachte in Sprache umsetzt. Engagiert schildert er seine Geschichte bis zum Schluss. Ich berichte aus dem Alltag demenzerkrankter Menschen. Sie beanspruchen uns, weil ihr Denken und Handeln verlangsamt ist und Lücken hat, weil sie gerade jetzt von einem andern Impuls geleitet werden, als wir erwarten, weil Worte und Sätze so verdreht herauskommen, dass wir sie nicht verstehen. Bei vorangeschrittener Demenz wird es immer schwieriger, die Beziehung zum kranken Menschen aufrechtzuerhalten. Er selbst kann nur noch sehr begrenzt am Geschehen teilnehmen. Die Sprache taugt für die Kommunikation immer weniger. Vielleicht sind es noch ein paar altbekannte Lieder, die er mitsingen kann. Diese Menschen lehren uns Geduld, sie verhalten sich so, wie sie eben können. Es ist nicht Berechnung, nicht Bosheit, manchmal vielleicht ein halbbewusstes Überspielen, um von ihrer Vergesslichkeit abzulenken. Der Demenzerkrankte hält uns an, zu fragen, was er uns jetzt gerade mitteilen möchte, was für ein Problem er hat, was für Gefühle ihn bewegen. Oft müssen wir nach dem geeigneten Verhalten ihm gegenüber suchen, ausprobieren, was ankommt. Geduld unsererseits gibt den Demenzerkrankten die Möglichkeit, ihre wenn auch begrenzten Fähigkeiten einzusetzen und so am alltäglichen Leben, das sie sich gewohnt sind, teilzunehmen. Sie hilft herausfinden, worüber noch ein Gespräch geführt werden kann, welche Ängste sie plagen, was ihnen Sorgen macht. Vielleicht brauchen sie Zuwendung, um sich geborgen zu fühlen. Es kann die Muttersprache sein, die sie jetzt noch besser beherrschen, um mit ihnen zu kommunizieren. Vielleicht ist es das Singen, die Musik, die eine entspannte Atmosphäre schaffen. Vielleicht gelingt es, ihre Gefühle anzusprechen und ihnen auf diese Weise Verständnis entgegenzubringen. Demenzerkrankte lehren uns, geduldig einen Weg zum Mitmenschen zu suchen. Unsere Tagesstätte in Frick bietet an vier Tagen in der Woche betagten Menschen eine begleitete Tagesstruktur und Betreuung an. Die Besucher werden durch verschiedene Aktivitäten angeregt und gefördert, erleben Abwechslung von ihrem gewohnten Alltag und können neue soziale Kontakte knüpfen. Die pflegenden Angehörigen werden zeitweise von ihrer Betreuungsaufgabe entlastet und können für ein paar Stunden sich ihren Interessen und Bedürfnissen widmen. Ganz verschiedene Menschen besuchen unsere Tagesstätte. Vor allem eine Gruppe erfordert Geduld von uns Betreuerinnen und Betreuern. Einige Beispiele sollen dies illustrieren. r Frieda hilft sehr gerne mit bei alltäglichen Arbeiten, dieses Mal beim Decken des Tisches für das Mittagessen. Ich lege die Messer hin und zeige ihr, wo der Löffel zu liegen kommt. Es will aber nicht so recht klappen: beim einen Gedeck liegt ein Löffel, beim andern nicht, ebenso ist es Sr. Sonja Kugler, Frick baldegger schwestern Seit mehr als hundert Jahren sind Baldegger Schwestern in Frick im Dienst der Benz’schen Stiftung tätig. Jahrzehntelang gehörte der Kindergarten und die häusliche Krankenpflege zu ihren Hauptaufgaben. Im Auftrag der Benz’schen Stiftung erarbeitete Sr. Sonja Kugler mit dem SRK Aargau ein Projekt für eine Tagesstätte in Frick. Die Tagesstätte Frick ist seit 2006 in Betrieb. Sr. Sonja leitet sie mit ihrer Stellvertreterin. Unterstützt werden sie durch sieben ehrenamtliche Mitarbeitende. Sie berichtet aus ihrem Alltag.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=