baldeggerjournal

13 Der Lehrberuf erfordert Geduld. Sind Lehrerinnen und Lehrer sozusagen von Natur aus geduldige Menschen? Geduld gehört zum Anforderungsprofil einer Lehrperson. So wählen eher geduldige Menschen diesen Beruf. Wie lerntest du Geduld haben mit Kindern? Als Zweitälteste von zwölf Kindern hatte ich schon in der Familie die Möglichkeit, jüngere Geschwister zu betreuen, ihnen bei Alltagsverrichtungen beizustehen. Ich konnte meistens gut zu verschiedensten Kindern Kontakt herstellen und sie begleiten. In der Berufsausbildung erprobte ich, wie mit Geduld bei Schülerinnen und Schülern Ziele erreicht werden können. Wo brauchtest du im Unterricht Geduld? Die Vielfalt unter den Kindern einer Klasse war oft sehr gross. Nicht jedes Kind konnte etwas gleich schnell verstehen und zügig arbeiten. Kinder mit Lernschwierigkeiten benötigten speziell Geduld. Brauchen Kinder auch Geduld mit ihren Lehrpersonen? Der Lehrer muss im Geduldhaben Vorbild sein! Der Unterrichtsbeginn, Stunden- oder Zimmerwechsel kann für einzelne Kinder eine Geduldsprobe sein, bis alles bereit ist, alle bereit sind. Das Kind muss warten, bis es aufgerufen wird, bis korrigiert wird. Geduld muss gegenseitig geübt werden: Von der Lehrperson zu den Schulkindern, von den Schulkindern zur Lehrperson und auch unter den Schülerinnen und Schülern. Was hilft, im Umfeld der Schule die Geduld zu bewahren? Darauf achten, dass ich mit mir und anderen geduldig bin. Schülerinnen und Schüler dort abholen, wo sie sind. Stärken und Schwächen der Schülerin bei der Aufgabenverteilung berücksichtigen. Kinder verstehen lernen. Hoffnung haben, dass der Schüler die nötigen Lernschritte macht. Neuerungen und Reformen mit Gelassenheit in Angriff nehmen. Wie unterstützen Lehrer und Eltern das Kind im Einüben der Geduld? Es hilft dem Kind, wenn es früh lernt, Probleme alleine und selbständig zu lösen. Eltern und Lehrer lehren das Kind, dass nicht immer etwas sofort erfüllt wird. Für mich ist das Üben der Geduld auch in meinem zukünftigen Alltag wichtig! Schwester Marie-Stefan, das Ende deiner Unterrichtstätigkeit in der Schule ist gekommen. Wie fühlst du dich? Abschiedsschmerz oder Vorfreude auf Neues? Ich bin dankbar, dass ich meinen Beruf in der Schule bis zur Erreichung der Altersgrenze ausüben durfte. Es war eine sehr interessante Zeit mit einigen Schwierigkeiten und vielen Erfolgen. Ich verabschiede mich nicht gerne von lieben, netten Kolleginnen und Kollegen. Da ich im neuen Schuljahr bei der Hausaufgabenhilfe, vom Frauenbund organisiert, mitarbeiten kann, fällt mir der Abschied von einer Schulklasse weniger schwer. Auch darf ich privat Anderssprachigen Deutschunterricht erteilen und so einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. In der Schule lernen wir für das Leben. Was hast du während den 40 Schuljahren für das Leben gelernt? Herkunft, Kultur, Sprache, Religion der Schülerinnen und Schüler einer Klasse waren oft sehr verschieden. Ich lernte toleranter werden. Meistens wechselten nach zwei Jahren die Kinder die Lehrperson. Flexibilität wurde immer auch bei jährlichen Änderungen der Stundenpläne, Neuerungen im Schulbetrieb, Einführung von neuen Lehrmitteln gefordert. Mit Konsequenz und Ausdauer konnte ich vielen Schülern und Schülerinnen zu Erfolgen helfen und meine Arbeit meistern. Schwester Marie-Stefan Würsch, Baldegg baldegger schwestern Geduld in der Schule Schwester Marie-Stefan Würsch, Baldegg, unterrichtete 40 Jahre Erst- bis Viertklässler, vor allem in der Gemeinde Hochdorf. Was heisst für Sie Geduld im Umfeld der Schule? Schon bald nach der Gründung der Ordensgemeinschaft der Baldegger Schwestern begannen die Schwestern Mädchen im Seetal zu unterrichten. An den Schulen von Hochdorf waren sie von 1844 bis 1861 tätig. Ab 1872 unterrichteten Kindergärtnerinnen, Handarbeitslehrerinnen und Primarlehrerinnen in Hochdorf. Die Primarlehrerin Sr. Marie-Stefan Würsch beendet 2008 dieses lange Wirken an den Schulen von Hochdorf.

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