baldeggerjournal

15 Fahrt mit dem Lidobus ins Bildungshaus auf der Halbinsel. Lassen Sie sich Zeit zum Ankommen. Gedulden Sie sich beim Telefon, beim Mail, am Empfang, am Lift, an der Kaffeemaschine, im Speisesaal, beim Lernen und Lehren … Die Stella Matutina ist also ein vorzüglicher Ort, das Entschleunigen einzuüben. Einige Möglichkeiten verraten wir Ihnen, andere werden Sie selber entdecken: r Setzen Sie sich ans Ufer und erleben Sie den See mit dem Kommen und Gehen des Wassers. Beobachten Sie das gleichförmige Spiel der Wellen, das von Zeit zu Zeit etwas heftiger wird bis es wieder in den Gleichschlag mündet, wenn das Schiff vorbeigezogen ist. r Schauen Sie den Fischern zu, die geduldig ihre Netze oder Angeln auswerfen und warten, bis die Fische anbeissen. r Begleiten Sie mit Ihrem Blick eine Schnecke, die ihren Weg samt Haus zurücklegt. r Hören Sie zu, wenn ein Instrument gestimmt wird, konzentriert, bis der Ton rein ist und in die Harmonie passt. r Betrachten Sie den knorrig gewordenen Kiwistrauch, der sich Jahr für Jahr beschneiden lässt, frisch ausschlägt und weiter wächst. r Beten Sie das kirchliche Stundengebet der Schwestern mit und tauchen Sie im Beten der Psalmen ein in die jahrtausendalte Geschichte. Sie erzählt von Gott, der mit seinem Volk unterwegs bleibt und der uns auch heute immer wieder verheisst: «Ich bin mit euch.» r Lauschen Sie auf das Erzählen der alten Eichen oben am Hang. r Lassen Sie sich von den verschiedenen Farben des Pilatus verzaubern, von den Lichtern auf dem See, vom Sinken der Sonne mit der traumhaften Abendstimmung. Sie werden erfahren, was unsere Gäste immer wieder erleben: Das ‹Sich-Gedulden› konzentriert und führt in die Mitte, in die Tiefe. Das Verweilen bei sich lässt eintauchen in eine andere Wirklichkeit. Dabei wird alles Ungelöste im Herzen, werden offene Fragen und gestellte Aufgaben weggetragen wie von gleichmässig dahinziehenden Wellen. Das Gefühl von Zufriedenheit und Glück kehrt ein ins ruhig gewordene Herz. Und vielleicht klingt beim Heimkehren in den Alltag das Lied von Christian Morgenstern im Ohr oder im Herzen fort: «Alles fügt sich und erfüllt sich musst es nur erwarten können und dem Werden deines Glückes Jahr und Felder reichlich gönnen. Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.»

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