3 baldegger kurhäuser nicht mehr weiter können, weil sie sich im Gedränge und Geschiebe ihres beruflichen oder familiären Umfeldes aus ihrer Mitte verloren haben. In der Bergruh finden sie jene Atmosphäre, die hilft, plötzlich stehen zu müssen nicht als Verlust oder als Bedrohung, sondern als Wert zu erleben. Wer in die Bergruh kommt, ist nicht allein. Auf Wunsch begleiten die Schwestern Gäste auf ihren Spaziergängen, bleiben mit ihnen stehen, bestaunen einen Schmetterling, hören zu, nehmen Anteil. Die innere Balance finden ... Stehen bleiben will gelernt sein, braucht sogar Übung. So oft als möglich suche ich einen Bergbach auf. Ich schichte Steine aufeinander. Zuerst grössere, dann immer kleinere. Mit jedem Stein, mit dem das Steinmännchen vor mir in die Höhe wächst, brauche ich mehr Sorgfalt und Behutsamkeit. Das konzentrierte, spielerische Tun macht mich ruhig. Ich bin ganz bei mir. Eine spürbare, in sich ruhende Kraft verbindet die aufeinander geschichteten Steine zu einem Rückgrat. Die Steinsäule hält stand, bleibt stehen. Sie verbindet Himmel und Erde. Meine Freude ist gross, wenn am nächsten Tag noch jeder Stein auf dem anderen steht. Auch ich darf stehen und mich aufrichten. Immer wieder neu. So kann ich im Alltag bestehen. ... und sich erholen Stehen bleiben ist weder anstrengend noch langweilig. Wer seine innere Balance findet, schöpft Kraft und Lebensfreude und erholt sich. Und dies kann auf vielerlei Weise geschehen: Beim Wandern und Entdecken der Amdener Sonnenterrasse, bei Besinnung und Stille, beim Feiern und Erleben der religiösen Feste wie Weihnachten und Ostern, bei Spiel, Gesang, Musik und Entspannung oder beim fröhlichen Zusammensein. Wir Schwestern gestalten dazu verschiedene Angebote. Es macht uns Freude, unsere Gäste zu begleiten, mit ihnen stehen zu bleiben. Einfach und ganz franziskanisch. «Nicht stehen bleiben – weiter kommen!» So warb eine Fachhochschule in einem Zeitungsinserat vor nicht allzu langer Zeit. Weiter kommen liegt im Trend, ist ein Muss für alle jungen Menschen und diejenigen, die jung bleiben wollen. Weiter kommen, weiter, immer weiter ... Wir leben in einer nach Fortschritt ausgerichteten Zeit. Alles drängt nach mehr, besser und schneller. Wer stehen bleibt, läuft Gefahr, etwas zu verpassen. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, stehen zu bleiben. Oder doch? Sich erlauben, stehen zu bleiben ... Im Kur- und Ferienhaus Bergruh begegnen wir Menschen, die sich bewusst dafür entschieden haben, stehen zu bleiben. Beim Wandern in der herrlichen Ammler Bergwelt etwa sucht ein Ehepaar Abstand zum hektischen Alltag. Immer wieder bleiben sie stehen und lassen die prächtige Bergkulisse auf sich wirken. Später gesellt sich ihr Grosskind dazu. Eine junge Familie verweilt beim gemeinsamen Spiel am Bach. Zum x-ten Mal lässt Samuel sein Schiff, ein Stück Styropor, den Bach hinunter gleiten. Eine Frau hält inne, sucht nach dem Tod ihres Gatten ihr inneres Gleichgewicht. Ein Stammgast kehrt nach Amden zurück, spaziert zu seinen lieb gewordenen Plätzchen, bleibt stehen, staunt, fotografiert und atmet tief durch. Und eine 99-jährige Dame entflieht ihrem lebhaften Zuhause, um in der Bergruh ihre Weihnachtsbriefe zu schreiben. Dabei hängt sie das rote Kartonschild an die Türe: Bitte nicht stören! Diese Menschen haben es sich erlaubt, stehen zu bleiben. ... oder zum Stehenbleiben gezwungen Nicht selten kommen Gäste in die Bergruh, die aus einer Notsituation heraus gezwungen werden, still zu stehen, inne zu halten. Kranke, gebrechliche Menschen. Gäste, die einen Spitalaufenthalt hinter sich haben und deshalb Ruhe und Erholung brauchen. Aber auch Frauen und Männer, die Sr. Romana Pfefferli, Amden Nicht stehen bleiben! Oder doch?
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