baldeggerjournal

8 Stehen bleiben – und liebevoll ... baldegger schwestern Sr. Beatrice Kohler, Beromünster Stehen bleiben – und liebevoll dem Anspruch der Welt, der Zeit, der Menschen antworten Die heilige Elisabeth von Thüringen ist Patronin des dritten Ordens – der Schwestern in der Welt. Jeweils am 19. November feiern wir ihr Fest und den Namenstag jener Schwestern, die Elisabeth als Namenspatronin haben. Die Gedenktage der Heiligen ermöglichen uns, gedanklich einzukehren, still zu stehen. Wir erinnern uns. Wir betrachten ihr Leben, wir achten darauf, was ihre Biografie für unser Leben an Botschaft in sich schliessen könnte und wir rufen sie fürbittend an. Elisabeths Biografie spricht in vielen kleinen und grossen Ereignissen vom Stehenbleiben, vom Stehen in sich selber. Sie erzählt auch vom sich hinwendenden Handeln und damit vom Vorangehen. Die Kraft für beides schöpft Elisabeth aus dem bewegten und bewegenden Wechselspiel von Gottes- und Nächstenliebe. Stehen bleiben und den Grund gestalten Elisabeth von Thüringen wurde 1207 als Königstochter in Ungarn geboren. Die Heiratspolitik ihres Vaters, der seine Tochter (miss)brauchte um seine Macht zu vergrössern und sein Reich zu festigen, führte sie mit vier Jahren, gleich nach der Entwöhnung, an den Hof von Thüringen. Elisabeth wuchs dort auf, und ihre zukünftige Schwiegermutter erzog sie zur Landgräfin. Der Ordnung der Zeit gehorchend lernte sie mit heutigem Schuleintrittsalter spinnen, weben, sticken, nähen. Die Tugend der «mÄze» (Mass in allem, auch im Auftreten) verlangte dem lebensfrohen, spielfreudigen Mädchen und später auch der willensstarken jungen Frau Elisabeth besonders viel ab. Ihre Spielgefährtinnen am Hof entdeckten bald, dass Elisabeth auch das lebhafteste Spiel oder den Ritt auf dem ungesattelten Pferd unterbrechen konnte, um in der Schlosskapelle einen Moment innezuhalten, um vor dem Kreuz Zwiesprache zu halten mit dem Gott ihrer Kindertage. Der Landgräfin Sophie blieb vermutlich der Atem stehen, als das Mädchen Elisabeth in ihrem religiösen Ernst ihr Krönlein im Gottesdienste ablegte, weil sie es im Angesichte des Gekreuzigten nicht tragen mochte. Stehen bleiben und der Liebe trauen Elisabeths Zukunft verdunktelte sich, als ihr Verlobter 1216, und der Landgraf Hermann I. selber, ein Jahr später starben. Ob sie als Fremde in ihre Heimat zurück geschickt würde? Ob die Landgräfin die Gelegenheit nutzen könnte, um die verspielte, eigenständige und quirlige Prinzessin wieder los zu werden? Die Ungewissheit löste sich, als Ludwig IV. zum neuen Landgrafen erkoren wurde. Er hielt an den Heiratsplänen seines Vaters fest und wollte Elisabeth zur Frau haben. Sie waren geliebte, vertraute und verstehende Gefährten seit Kindertagen. Eine Liebesheirat in damaliger Zeit war eher ungewöhnlich. Elisabeth und Ludwig führten eine innige und glückliche Ehe. Wenn Elisabeth nachts aufstand für ihr Gebet, liess Ludwig sie gewähren, ermahnte sie aber auch zur Sorge für ihr Wohlergehen. Erst 15-jährig gebar sie ihren ersten Sohn Hermann. Ob ihr Gang zur Dorfkirche für die Taufe barfuss und im schlichten Wollkleid bereits als Zeichen der Solidarität mit den Armen gesehen werden kann? Oder ist er eher ein Bild für ihre ebenerdige und liebende Nachfolge in den Spuren von Jesus von Nazareth? Stehen bleiben und der Not begegnen Schon früh erwachte ihr Sinn für Gerechtigkeit. Sie verweigerte Speisen, die aus unrechtmässig erpressten Einkünften stammten. Sie missachtete Stand und Kleidung. In einfachen Wollkleidern war sie in der Prozession unter den Mägden zu finden. In fürstlichen Gewändern wusch sie einem im Schmutz erstarrten Kranken die Haare. Die junge Landgräfin zeigte ihre Hinwendung zu den Armen auf dem Markt, in den Strassen, auf den Plätzen Eisenachs und den Aussätzigen vor den Toren der Stadt. Im Sinne der Zeit und der Erwartungen an die Herren im Land gründete sie 1223 in Gotha ihr erstes Hospital. Als 1224 ein heisser Sommer und ein nachfolgender stürmischer Winter die Ernährungsgrundlage in Thüringen aus dem Gleichgewicht brachte, sah die Landesmutter hin. Sie verteilte nicht nur Almosen, sondern den armen Bauern auch Ackergeräte und Arbeitsschuhe. Damit konnten sie sich selber helfen. Weil Ludwig 1226 an den Reichstag von Cremona reiste, setzte er Elisabeth zur Statthalterin über Thüringen ein. Selbständig, unabhängig und mit sicherem Urteil begegnete

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