2 baldegger schwestern mentragen). Daraus wird im Mittellateinischen combrus (Verhau, Wehr). Ihm entspricht altfranzösisch combres als «Sperre, Wehr und Hindernis». Entsprechend heisst encombre «Belästigung, Bedrängnis und Not». Umgekehrt besagt descombrer «räumen, freimachen, befreien, trennen». Auf diesen Wegen kommt es auch zu unserem deutschen Kummer. Das heisst nun: Ich bin bekümmert. – Kummervoll sorge ich mich. Derart bekümmert, bin ich auf Abhilfe besorgt: Ich kümmere mich darum, den Grund des Kummers zu beseitigen und auf diese Weise Kummer und Sorge los zu werden. Noch ein drittes Wort hat es mit der Sorge und Sorglosigkeit zu tun, nämlich unser Wort sicher. Es geht auf das lateinische Wort securus zurück. Securus bedeutet wörtlich «ohne Sorge (cura)». Könnte dies nicht heissen: Wer sich seiner Sorgen entledigen und wieder Sicherheit gewinnen möchte, sollte wieder einmal zur Kur (cura) gehen – vielleicht auch in Amden oder der Oberen Waid ... Vielleicht verstehen wir jetzt auch besser, warum Martin Heidegger sagt: «In-der-Welt-Sein ist wesenhaft Sorge.» Aber meint er damit nur die Sorge, die uns kummervoll bedrückt; oder denkt er auch an die Sorge, die wir aufwenden, um mit aller Sorgfalt das zu besorgen, was uns Not tut, und uns um das zu kümmern, was uns hilft? Auf jeden Fall zeigen uns nicht nur die Wörter, sondern auch die eigene Lebenserfahrung: Wir Menschen sind Sorge und Kummer nicht nur schicksalhaft und wehrlos ausgeliefert. Wir können und sollen auch zu unserem Leben und unserer Welt Sorge tragen und uns um Kummer und Sorge so kümmern, dass wir Kummer und Sorge überwinden helfen. Sorglose Besorgtheit – eine christliche Aufgabe Auch wir Christen leiden unter Kummer und Sorge. Auch wir Christen sollen uns um die Sorge kümmern und für das tägliche Brot sorgen. Von sorgloser Leistungsverweigerung ist in der Bibel nicht die Rede. Aber die Frage bleibt: Wem gilt in unserer sorgenvollen Welt unsere eigentliche Sorge? Die Brotsorge kann uns so in Beschlag nehmen, dass wir vergessen, um das tägliche Brot auch zu beten. Allerdings ist die Brotbitte des Vaterunsers eine der schwierigsten Stellen im ganzen neuen Testament. Am Wahrscheinlichsten ist, dass die Bitte, der Vater im Himmel gebe uns heute unser tägliches Brot, genauer heisst: «Unser Brot für morgen gib uns heute (Mt 6, 11).» Allerdings steht im Evangelium auch: «Bekümmert Euch nicht um das Morgen. Denn das Morgen wird sich um sich selbst bekümmern. Es reicht, dass jeder Tag seine eigene Plage hat (Mt 6,34). Aber «Gebet und sSorgenA sind zwei verschiedene Paar Stiefel!» Gerade weil und indem ich vertrauensvoll zum Vater um das morgige Brot schon heute bete, lege ich die Wir alle kennen das Wort aus dem Matthäus-Evangelium von den Vögeln des Himmels, die weder säen noch ernten, geschweige denn in Scheunen sammeln und doch vom Vater im Himmel ernährt werden (Mt 6,26). Aber «es gibt wenige evangelische Texte, die so schroffe Kritik hervorgeworfen haben», stellt Ulrich Luz fest, der dem Matthäus-Evangelium sein Lebenswerk gewidmet hat. «Jeder sverhungerte SperlingA widerlege Jesus, umso mehr jede Hungersnot und jeder Krieg.» Eines ist jedenfalls sicher: Sorge gehört zu den Grundgegebenheiten unseres Lebens. Sorge – Grundgegebenheit unseres Lebens Doch was ist diese Sorge? Eine erste Auskunft geben uns die Wörter. Die Herkunft des Wortes Sorge ist ungewiss. Aber im Kern geht es beim Wort um die Bedeutung «körperliche oder seelische Bedrücktheit», «mürrisches Wesen, nicht zuletzt in Folge von Krankheit». Wichtiger ist, dass Sorge schon im Althochdeutschen zwei Bedeutungen besitzt. Sorge ist einerseits «die Furcht vor Bedrohung», andererseits «die Bemühung um Beseitigung der Bedrohungen». Das heisst also: Ich bin in Sorge. – Ich fühle mich bedroht. Ich habe Angst. Ich sorge mich. Derart von Sorge bedrückt, sinne ich auf Abhilfe: Weil ich mich selber sorge, bin ich auch besorgt, den Grund der Sorge zu beseitigen. Ich besorge mir dafür notwendige Hilfsmittel. Ganz ähnlich geht es uns mit dem ähnlichen Wort Kummer. Im Hintergrund steht das lateinische Wort conferre (zusamDr. P. Albert Ziegler, SJ, Zürich Wie die Vögel des Himmels
RkJQdWJsaXNoZXIy NTcyNzM=