baldeggerjournal

4 Kirche und Welt vor den barmherzigen Gott. Viele Menschen vertrauen sich unserem Gebet an. Viele Schwestern schenken einen Beitrag zum Leben im Pflegeheim. Es sind ausgebildete Krankenschwestern und Mitschwestern, die von andern Berufen her kommen: Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen, Erfahrene in Hauswirtschaft und Verwaltung, ehemalige Köchinnen und Missionarinnen. Jede erfüllt eine ihren Fähigkeiten und Kräften entsprechende Aufgabe im Ablauf des strukturierten Pflegeheim-Tages, zu dem verschiedene Zeiten des gemeinsamen Gebetes gehören. Aber auch die Umsorgten helfen dort, wo sie können, zum Wohl des Ganzen mit. Damit das möglich wird, braucht es Organisation auf allen Ebenen: Pflege, Labor, Apotheke, Mahlzeiten, Liturgie, Weiterbildung, Feste und Feiern. Viele betagte Schwestern helfen beim Zusammenfalten der frisch gewaschenen Wäsche mit. Sie freuen sich, diesen Dienst der Gemeinschaft schenken zu können. Zum Geben und Empfangen gehören auch Aufgaben im Speisesaal und in den Büros, beim Reinigen und Nähen und Blumentränken, in Archiv und Gästebetreuung, bei Warentransport, Wäsche, Pforte und Telefon. All dieses Sorgen füreinander und miteinander ist wahrnehmbar. Ebenso wichtig ist aber für die auf Hilfe angewiesenen Schwestern die Sorgfältigkeit in den kleinen Dingen ihres persönlichen Alltags. Bevor wir uns diesen zuwenden, werfen wir einen Blick auf Schwester Plazida. Neben ihrer Sorge für die betagten Mitschwestern trägt sie auch Sorge zu den klösterlichen Bienen. Sie tut dies schon seit über 30 Jahren. Es ist eine strenge Arbeit, oft bis in die Nacht hinein. Dieses Jahr war sie besonders intensiv. Ihre 33 Bienenvölker arbeiteten wie noch nie. Schon anfangs April sind sie mit Pollen und Honig heimgekommen. Zum ersten Mal im ihrem Leben hat Schwester Plazida bereits im April geschleudert. Noch nie hat sie so viel Blütenhonig erhalten für die Schwestern im Pflegeheim und im Mutterhaus und im Haus St. Josef und zum Verschenken. Das freut Schwester Plazida und sie ist stolz auf den süssen Ertrag. Aus einem der Kasten schleuderte sie volle 23 kg. Ein normaler Durchschnitt pro Kasten sei 13 kg. Schwester Plazida weiss alles über das faszinierende Bienenleben und den Bienenstaat, und mit Bienenfleiss erfüllt sie ihre Aufgaben im Bienenhaus und im Pflegeheim. Viele Male im Tag macht sie den Gang zum Bienenhaus, das sich schon über hundert Jahre am jetzigen Standort befindet, neben dem Wohnhaus unserer Patres Kapuziner. Diese segnen die Bienen vor allem in der Hochsaison, und Schwester Plazida gibt ihnen wenigstens einmal im Tag Weihwasser. Darum habe sie gesunde Bienen, berichtet sie überzeugt und dankbar. Eigentlich könne sie von den Bienen viel lernen, sagt Schwester Plazida. Sie fragen nicht nach wann und warum, sondern fliegen, wenn der liebe Gott ihnen das richtige Wetter gibt. Jede Biene hat ihre Aufgabe und schaut nicht, was die andern machen. Sie tut einfach ihre Pflicht, «Sorgt euch nicht um euer Leben …, denn euer himmlischer Vater weiss, was ihr braucht …» (Vgl. Mt 6,25). Diese biblische Zusage gehört bei uns im Kloster Baldegg zum Fundament des gemeinsamen Lebens. Auf dieser Grundlage von Vertrauen und Zuversicht sorgen wir im Alltag füreinander und miteinander um fähig zu sein, auch für die Mitmenschen zu sorgen. Wir sind ja nicht für uns selber da, sondern die ganze Welt ist in unsere «Sorge» eingeschlossen. Wir verstehen das Sorgen als Anteilnehmen und Zeit schenken, als Helfen und Heilen, als Zuwendung und Mittragen, als Gebet und Arbeit. Niemand wollen wir von unserer Sorge ausschliessen. Sie drückt sich aus durch Wohlwollen und Wertschätzung, durch die Liebe zu den Menschen und zur ganzen Schöpfung. Im Kloster sorgen alle füreinander. Das wird besonders deutlich sichtbar im Pflegeheim unseres Mutterhauses. Dort leben gegen siebzig betagte Schwestern, die unserer besonderen Sorge bedürfen. Die älteste von ihnen ist 101 Jahre alt. Viele sind zwischen neunzig und hundert, tragen reiche Erfahrungen mit sich, sind schon über sechzig oder siebzig Jahre lang im Kloster und Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlicher Prägung. Miteinander verbindet sie der gemeinsame Weg zu Gott als Baldegger Schwestern, im Einsatz für die Mitmenschen durch die Aufgaben der Gemeinschaft. Nun sind sie müde und gebrechlich geworden, auf die Sorge der jüngeren Mitschwestern angewiesen. Dieses Sorgen hat in unserer klösterlichen Gemeinschaft viele Ausdrucksformen. Und es ist immer gegenseitig. Alle sind Gebende und Empfangende. Miteinander und füreinander tragen wir die persönlichen Anliegen und jene von Sr. M. Martine Rosenberg, Baldegg baldegger schwestern Fürsorglich

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