5 ohne selber etwas davon zu haben. Bis der Honig kommt, ist sie schon gestorben. Tag und Nacht sind die Bienen dran. Schwester Plazida liebt die Arbeit bei den Bienen, möchte aber nicht ohne ihre kranken und betagten Mitschwestern sein. «Es ist schön, für beide sorgen zu dürfen, für die Menschen und für die Bienen.» Das glaubt man ihr! Die vielen und nur wenigen Menschen bewussten Dienste der kleinen Bienen sind Schwester Plazida gegenwärtig, wenn sie sich um ihre gebrechlichen Mitschwestern im Pflegeheim kümmert. Auch hier ist nicht nur das sichtbare, sondern auch das verborgene Sorgen gefragt. Einfühlsame und hingebende Zuwendung, die für den leidenden Menschen eine besondere Wohltat ist, besteht in kleinen Diensten mit grosser Wirkung: Helle und Dunkelheit im Zimmer so regulieren, wie es dem einzelnen Menschen entspricht. Hörapparat kontrollieren und beim Einlegen behilflich sein. Kleine Schmerzen ernst nehmen und behandeln. Gewünschte Liegestellung beachten. Wiederholte Fragen freundlich und geduldig beantworten. Nicht «erziehen» wollen und Belehrungen erteilen. Radioapparat zur Übertragung des Hausprogramms einschalten und so stellen, dass er für die betagte Schwester erreichbar ist und sie die Lautstärke wählen kann. Haare so kämmen, wie sich die Schwester gewohnt ist. Erklären, warum man heute bedeutend früher oder viel später kommt als gewohnt. Kleider feinfühlig an- und ausziehen. Nach Befinden fragen und etwas Kleines erzählen. Auf Vorlieben und Wünsche Rücksicht nehmen und immer neu daran denken. Nachtlichtlein einschalten. Glocke erreichbar machen. Und noch vieles andere. Sorgsame kleine Aufmerksamkeiten sind fast grenzenlos möglich und tragen viel bei zum Wohlbefinden jener, die von der Sorge anderer Menschen abhängig sind. Es ist jenes selbstverständliche und unsichtbare Sorgen, dem Schwester Plazida bei den Bienen begegnet. Es ist die wunderbare Sorge, mit der wir alle von Gott umgeben sind: «Du umschliesst mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich» (Psalm 139). Sr. Plazida Lang holt einen Bienenschwarm zurück Bienensorgen Das Thema Sorge ist auch im Tierreich aktuell, besonders eindrücklich im Reich der Honigbiene. Hier etwas Lehrbuchwissen über das Bienenvolk. Es zählt etwa 51 000 Mitglieder: – Eine Königin. Sie ist das einzige voll entwickelte weibliche Tier des Volkes und legt alle Eier; das ist ihre einzige Aufgabe. – Etwa 50‘000 Arbeiterinnen. Es sind weibliche Tiere mit unentwickelten Eierstöcken, aber mit Sammelorganen (Rüssel, Hinterbeine). – Einige hundert Drohnen: dies sind die Männchen. Daraus ergibt sich, dass jedes Mitglied des Volkes eine Aufgabe hat, d.h. für etwas Spezielles sorgen muss, damit das Ganze funktioniert: Die Königin ist die Mutter aller «Volksmitglieder». Nur sie legt im Frühjahr bis 2000 Eier pro Tag. Dabei wird sie vom ganzen Hofstaat umsorgt, beleckt, gefüttert. Die Arbeiterinnen umsorgen die Brut, sammeln Nahrung (Nektar und Blütenstaub), bereiten Honig und Wachs, bauen Waben. Für 1 Gramm Honig macht die Biene 100 Flüge und damit 6 000 bis 8 000 Blütenbesuche. Die Drohnen verfolgen junge Königinnen auf ihrem Hochzeitsflug und begatten sie. Unfähig zur Nahrungssuche, müssen sie von den Arbeiterinnen gefüttert werden. Ist ihre Aufgabe im Bienenvolk erfüllt, werden sie Mitte Sommer in der «Drohnenschlacht» aus dem Stock vertrieben … Sr. Marzella Keller
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