baldeggerjournal

8 gehalten, die ethischen Überlegungen und Forderungen der Kirche zu kennen und praktisch anzuwenden. (ibt es also etwas wie einen jgottgefÅlligen Umgangv mit dem (eld ARS: Seit Menschen Geld verwenden, gibt es auch die Frage nach dem gottgefälligen Umgang damit. Die Antwort des Christentums stand und steht in der Spannung von biblisch gebotener innerer Freiheit, Zinsverbot und Armenfürsorge einerseits und pragmatischer Reaktion auf sich wandelnden ökonomischen Bedingungen andererseits. Ich stimme der Theologin Dr. Sigrid Müller bei. Sie sagt, dass es als Christ erst dann möglich ist, sich für die Erhaltung und Mehrung von Geld einzusetzen, wenn die Gefahr gebannt ist, dass das Geld nicht Selbstzweck und Götze ist. Wenn dem so ist, dann ist es tatsächlich möglich, dass man auch mit der Arbeit des Geldverwaltens ein Glaubenszeugnis gibt, das nachhaltig ist. Dies beinhaltet nämlich, dass man den Obulus für die Armen nicht vergisst und an der Sozialpflichtigkeit des Vermögens festhält. Ebenso heisst es, sich für die gerechte Gestaltung von wirtschaftlichen Strukturen einzusetzen und gerechten Lohn anzuerkennen. Nebenbei gesagt, die Frage nach dem gottgefälligen Umgang mit dem Geld findet sich übrigens nicht nur im Christentum. Im Westen bemühen sich die Banken in zunehmenden Masse muslimische Kunden mittels «Islamic Banking», das heisst mit Sharia-konformen Anlagen zu gewinnen. Können wir das (eldgeschÅft noch etwas konkreter anschauen Klöster, so *hre Aussage, sind wie andere Unternehmungen auf jDauerv angelegt. Das Anlegen von (eldvermögen in börsenkotierten 0bligationen und Aktien ist aber ein schnell wechselndes (eschÅft wie geht das zusammen ARS: Mit «schnell wechselndem Geschäft» sprechen Sie sicherlich die kurzfristig auftretenden, oft starken KursPreis-Schwankungen an den Börsenmärkten an. In der Tat haben diese starken Schwankungen über die letzten Jahre stark zugenommen. Wir erinnern uns ja, dass den stark steigenden Kursen in den neunziger Jahren der starke Kurssturz in den ersten drei Jahren des neuen Jahrtausends folgte. Diese Tatsache besteht an den Weltbörsen für Wertpapiere, Rohstoffe und Währungen noch heute und wird noch eine geraume Zeit andauern. Viele Gründe dafür sind Ihnen bekannt; den inneren Zusammenhang und wie mit dieser Tatsache als Anleger erfolgreich umzugehen ist, lässt sich nicht in einem kurzen Gespräch erläutern. Nur soviel ist anzumerken: Man kann als Anleger mit den Preisschwankungen gut, wenn auch ein wenig unruhig, leben. Das geht aber nicht ohne 3isiko, oder ARS: In der konkreten Arbeit der Vermögensverwaltung ist es ja so, dass das Handeln natürlicherweise Risiken unterliegt. Wir versuchen aber, diese in vernünftigen Grenzen zu halten und wenn möglich zu vermeiden. Deshalb müssen ich und meine Mitarbeitenden über ein «gut entwickeltes Sensorium» für Risiken verfügen, um solche früh zu erkennen um Vermögensschaden abwenden zu können. Sie denken also, dass wir mit dem 3isiko und weitern 5urbulenzen leben mÛssen ARS: Ja, aber nicht nur an der Börse. Es gibt da noch das «andere Ding». Sie wissen um die in den letzten Jahrzehnten zunehmenden «Kursturbulenzen» in Kirche und Gesellschaft. Es ist dies kein schweizerisches, kein europäisches Phänomen, sondern ein globales. Die Ordensgemeinschaften und deren Mitglieder begegnen diesen Turbulenzen mit je unterschiedlichen «Hilfsmassnahmen», um wieder zuversichtlicher an «die klostereigene Beständigkeit» glauben zu können und gleichzeitig ihre Regel wieder zum Ausgangpunkt zu nehmen. Dies erfordert einen Prozess, den man «Neugründung des Ordens» nennen kann, also refounding. Wenn ich das recht sehe, dann liegt *hrer Meinung nach das 3isiko fÛr die Zukunft eines Klosters nicht nur bei der Verwaltung des Vermögens, sondern ebenso beim Einbringen des eigenen geistlichen Lebens als geistliches Vermögen ARS: Sehen Sie, ich befasse mich ja täglich mit dem Thema «Kloster». Ich bin durch meine Arbeit, durch Kontakte mit Ordensleuten, durch Ordensliteratur ständig konfrontiert mit Themen wie zahlenmässiger Rückgang der Ordensangehörigen, Klosterschliessungen, Schwierigkeit im Durchtragen einer Lebensentscheidung und last but not least mit den finanziellen Nöten von Klöstern. Wir sind uns doch einig: schon das Eintreten in eine Klostergemeinschaft, das Profess-Ablegen und damit eine Lebensentscheidung treffen, ist ein Wagnis, ein Risiko. Als Vermögensberater kann ich Ihnen nur sagen: ein grosser, breiter, langfristiger Anlagehorizont ist für «beide Dinge» absolut notwendig, denn nur so können beide Dinge Erfolg erfahren. Dann gehen sie vielleicht auch zusammen! Eine abschliessende, mehr persönliche 'rage Herr Schwitter, warum haben Sie gerade Klöster und kirchliche *nstitutionen zu *hrem Kundenkreis erwÅhlt ARS: Weil ich daran interessiert bin, dass der «Zweck» und damit auch das Ziel der Klöster erreicht wird. Und als «Zweck» sieht das Kirchenrecht die Ausübung der Werke des Apostolats und der Caritas, vor allem gegenüber den Armen. Das motiviert mich. Ich kann mit meiner Arbeit mitwirken, dass den Klöstern das Geld für diese caritativen Aufgaben für die Armen zur Verfügung steht. Und manchmal gewinne ich den Eindruck, dass mir diese Arbeit nicht nur Freude bereitet, sondern auch zum «Beten» werden kann.

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