14 Wir engagieren uns nicht nur aus dem Glauben heraus, sondern wir sorgen uns um den Glauben: Wir machen den Glauben zum Thema und tragen damit bei, Gott in der «Welt» einen Ort zu sichern. Gottes Ort in der Welt ist bedroht Darüber denke ich oft nach und bin deshalb manchmal in Sorge. Besonders bewusst machen mir dies die vier Worte «Gott einen Ort sichern». So lautet ein Buchtitel, der Texte, Gedichte und Gebete von Madeleine DelbrËl beinhaltet. Dieser Titel verdeutlicht, was ich auch als Sorge bezeichnen könnte: Die Sorge darum, dass Gott in meinem Herzen und in dieser Welt keinen sicheren, unangetasteten Ort zum Wohnen und Sein fände. Immerzu ist Gott «bedroht», früher, heute, und damit verbunden der Glaube an ihn. Die Bedrohung hat viele Gesichter, eines davon ist die Vergessenheit. Fast unbemerkbar entschwindet er unseren Blicken, Gedanken, unserem religiösen Empfinden ... Sein Platz wird leer, bleibt vielleicht leer oder füllt sich mit etwas anderem. Mein Herz – ein sicherer Ort? Immer wieder höre ich die leise Einladung Gottes, ihm in meinem Herzen Raum zu geben. In unserem klösterlichen «Gott einen Ort sichern» Sr. Katja Müller, Baldegg Leben hilft jeder neue Tag, das eigene Herz für Gott zu öffnen und ihm einen Platz zu schenken. Trotzdem ist das nicht immer einfach. Mein Herz ist manchmal übervoll, dann hat Gott kaum mehr Platz. Manchmal ist es leer und will gar nichts aufnehmen – von keinem Menschen und auch nichts von Gott. So betrachtet, bietet mein Herz für Gott keinen sicheren Ort. Trotzdem ist mein Herz deswegen nicht verzagt. Denn ich glaube an einen treuen Gott, der mit den Unsicherheiten meines Herzens umgehen kann. Zuversichtlich stimmen mich immer wieder die Worte des hl. Paulus, der in seinem Brief an die Römer sagt, dass der Geist Gottes in uns wohnt. Ein Gedanke von FrÍre Roger Schutz, dem Gründer der Gemeinschaft von Taizé, ermutigt mich ebenso. Er sagt, es gehe darum, das Wenige, das man vom Evangelium verstanden habe, zu leben. Auch wenn es scheinbar wenig ist, kann daraus ein Auftrag für das eigene Leben erwachsen. Wir wollen, dass Gott ein Thema bleibt Das ist unser Anliegen. Dafür setzen wir uns jeden Tag ein. Wir wollen die verschiedenen Möglichkeiten wahrnehmen, Gott und den Glauben an ihn wach zu halten oder neu zu wecken. Im Bild gesprochen: Wir möchten die Tür zum Himmel hin offen halten. Was heisst das konkret? Davon erzählen die Alltagserfahrungen unserer Gemeinschaft «baldegger kloster l.i.f.e» und Erlebnisse mit Menschen in den «treffpunkt-Angeboten». «Heisse» Themen in Sache Glaube(n) Damit meine ich nicht die Zölibatsdebatte und auch nicht die Frage nach dem Frauenpriestertum. Unsere Themen im Alltag sind einfacher. Trotzdem fordern auch diese heraus, regen an und möchten eine Antwort. Wie und was erzählt man Jugendlichen vom Heiligen Geist? Was ist das persönliche Glaubensbekenntnis? Was ist der tragende Lebensgrund? Was ist das Glück, was sind die Spannungen, die Fragen in der gewählten Lebensform? Im Zusammensein mit Menschen, die Fragen an den Glauben und das Leben haben, befriedigen die Antworten nicht immer oder bleiben auch aus. So erleben wir uns in unserer Aufgabe selber auch als Suchende und Fragende. Und trotzdem richten wir uns nach dem Wort des hl. Petrus aus: «Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt ...» Kein gemeinsames Vokabular Schulklassen und Firmgruppen, die uns besuchen, führen wir immer auch in unsere Mutterhauskapelle. Wir schauen uns den sakralen Raum an und lassen die Stille auf uns wirken. Wir fragen nach den wichtigsten Einrichtungen der Kapelle wie Altar und Tabernakel und nach der Bedeutung des Kreuzes. Wir überlegen gemeinsam, was an den grossen Kirchenfesten wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten gefeiert wird. Oft fehlt den Kindern und Jugendlichen das Wissen oder sie haben dafür keine Wörter zur Verfügung. baldegger klosterdorf
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